Der Motorsport war schon immer Teil der Identität des 911 – ein Bekenntnis dazu, die Grenze zwischen Straße und Rennstrecke zu verwischen. Porsche setzte dieses Prinzip in der 964-Generation der späten 1980er und frühen 1990er Jahre konsequent um. Dort vermehrten sich die rennstreckenorientierten Derivate: der leichte Allradantrieb C4, der spezielle Carrera Cup-Rennwagen und sein zugänglicherer Bruder, der Carrera RS. Für Fahrer, die ein noch intensiveres Fahrerlebnis suchten, das die rohe Unmittelbarkeit des Cup-Autos einfing und gleichzeitig durch die für Porsche typische technische Finesse subtil für den Straßenverkehr gemildert wurde, bot der Carrera RS N/GT die perfekte Lösung.
Während der serienmäßige Carrera RS bereits Gewicht und Luxus reduzierte, ging der N/GT noch einen Schritt weiter: Porsche entfernte praktisch alle Komponenten, die nicht der Geschwindigkeit oder Kontrolle dienten. Der Innenraum, der bis auf blank lackiertes Metall reduziert und nur mit dünnen Filzmatten ausgestattet war, legte mehr Wert auf Funktionalität als auf Komfort, während flache, minimalistische Türverkleidungen mit Stoffgriffen an den Geist des ursprünglichen Carrera RS 2.7 von 1973 erinnerten.
Feste Recaro-Rennsitze mit Schroth-Sechspunktgurten ersetzten die herkömmlichen Sitze, und die Schalldämmung wurde komplett entfernt, sodass jede Vibration und Resonanz des Sechszylinder-Boxermotors ungefiltert zum Fahrer gelangte. Die ohnehin schon spartanische Ausstattung des RS – darunter ein nahtgeschweißtes Chassis, dünneres Glas, ein vereinfachter Kabelbaum und eine Aluminiumhaube – wurde durch 17-Zoll-Magnesium-Cup-Räder, einen Matter-Überrollkäfig, einen vergrößerten Kraftstofftank, einen Feuerlöscher und einen im Cockpit montierten Kill-Schalter weiter reduziert. Es handelte sich praktisch um eine straßenzugelassene Rennkarosserie.
Im Heck befand sich der 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor M64/03 von Porsche, der weniger für seine Leistungsdaten als für seine Spontaneität bekannt war. Das leichte Einmassenschwungrad sorgte für ein begeisterndes Ansprechverhalten, während eine speziell abgestimmte ECU die Gasannahme auf ein rennstreckentaugliches Niveau optimierte. Ein asymmetrisches ZF-Sperrdifferenzial sorgte für optimale Traktion, während eine überarbeitete Fahrwerksgeometrie, verstärkte Befestigungspunkte und vom Turbo abgeleitete Bremsen dem Fahrwerk außergewöhnliche Präzision verliehen. In Kombination mit der deutlichen Gewichtsreduzierung entstand ein Auto mit fast telepathischem Feedback, das jede Nuance der Oberflächenbeschaffenheit und jede Lenkbewegung wahrnahm. Auf einer gesperrten Straße oder Rennstrecke boten nur wenige Autos dieser Ära einen so intuitiven und lohnenden Dialog mit dem Fahrer. Porsche produzierte nur 290 Exemplare des Carrera RS N/GT, was ihn zu einem der begehrtesten 911-Modelle aller Zeiten macht.
Mit erstaunlichen 49 Kilometern zum Zeitpunkt der Katalogisierung gehört der hier angebotene Carrera RS N/GT zweifellos zu den außergewöhnlichsten erhaltenen Exemplaren, da er sein ganzes Leben lang unter Verschluss gehalten wurde und nie bei Rennen eingesetzt, ausgestellt oder öffentlich zum Verkauf angeboten wurde. Das für den deutschen Markt bestimmte Exemplar mit dem Fahrgestellnummer 499157 ist in Indischrot (G1) lackiert, verfügt über feuerfeste Nomex-Rennsitze und ist mit den legendären Go-Fast-Features des Modells ausgestattet: entfernte Airbags, ein Sperrdifferenzial, 17-Zoll-Magnesium-Cup-Räder und manuelle Lenkung.
Der RS N/GT, der gleichermaßen gefürchtet und verehrt wird, besticht durch seine Zurückhaltung – ein Auto, das an der Schwelle zwischen Straße und Rennstrecke steht und eine Eleganz ausstrahlt, die nur das reine Streben nach Leistung hervorbringen kann. Mit einem zweistelligen Kilometerstand und zum ersten Mal seit seiner Auslieferung öffentlich angeboten, bietet dieses außergewöhnliche Exemplar, das lange Zeit abgeschirmt und von den Strapazen des Rennsports verschont geblieben ist, die Chance, einen RS N/GT in seinem reinsten Zustand zu erleben, den man sich nur wünschen kann.