Der Porsche-Markt im Wandel – Zu Besuch bei Motorlegenden
15.12.2025Von Richard LindhorstSponsored Content
Seit mittlerweile knapp acht Jahren gibt es Motorlegenden. Michael Schnabl trat 2018 mit dem Ziel an, nur die besten klassischen Porsche-Modelle an seine Kunden weiterzugeben und damit ein Stück luftgekühlte Geschichte zu bewahren. Aus dem Neueinsteiger in der Autowelt ist mittlerweile eine bekannte Größe im Porsche-Kosmos geworden. Bei einem Besuch Anfang Dezember verriet mir der Elfer-Experte vom Ammersee, wie sich sein Blick auf das Geschäft verändert hat, welche Modelle er zu den heißen Aktien für die kommenden Jahre zählt und wie aus dem ehemals Suchenden jemand wurde, der sich im Suchen für andere nun selbst gefunden hat.
Bei Motorlegenden gibt es jede Generationen 911 unter einem Dach – doch nicht möglichst viele, sondern die besten
Im Motorlegenden-Showroom, etwa eine Dreiviertelstunde südwestlich von München begrüßt Michael Schnabl seine Kunden in einer modernen Halle, mit Sichtbeton und viel Glas. Er nutzt sie gern auch für Veranstaltungen, zum Beispiel Buchpräsentationen. Der Blick vom braunen Ledersofa schweift in chronologischer Reihenfolge vom 356 Pre-A, über mehrere 911und 912 F-Modelle, einem pastellgelben 993 Carrera S bis hin zum Porsche 992 S/T. Michael Schnabl ist dabei vor allem die Qualität wichtig. „Wenn ich Autos verkaufen will, will ich nicht möglichst viele verkaufen, sondern die besten“, betont der gebürtige Münchener. „Seit über 25 Jahren habe ich die Erfahrung mit Porsche gemacht, dass diese Fahrzeugkategorie, die ich Goldstücke nenne, den höchsten Reiz hat. Sie sind am zuverlässigsten und am wertstabilsten.“
Der Showroom von Motorlegenden ist eine Mischung aus Loft, klarem Industrie-Design und zeitlosen Design-Klassikern.
Diese Philosophie hat einen Grund: „Der Markt ist voll mit Fahrzeugen die lediglich im Kundenauftrag angeboten werden. Da steckt der Händler in der Zwickmühle: Der Eigentümer will vor dem Verkauf nicht mehr viel investieren, aber der Käufer erwartet auf der anderen Seite Perfektion. In diesem Spannungsfeld will ich nicht stehen“, erklärt Schnabl seine Beweggründe. „Ein Sammler hat mir mal gesagt: Konzentrier‘ dich auf das Allerbeste und lass den Rest stehen. Wenn sich ein gutes Auto nicht sofort verkauft, dann muss es so gut sein, dass du es auch selbst behalten möchtest. Die Frage ist nicht ob du den Preis bekommst, sondern wann.“
Mit dem besten Auto hat man keine Erklärungsnot und man findet immer jemanden, der den Preis schätzt – auch wenn man geduldig auf den richtigen Käufer warten muss.
Michael Schnabl, Motorlegenden
Michael Schnabl verkauft nur im eigenen Namen, nicht als Vermittler
„Ich verkaufe jedes Auto in meinem eigenen Namen, mit Gewährleistung. Ich bin kein Vermittler von Fahrzeugen zwischen Privatpersonen, die sich noch nicht mal kennen. Das setzt die Messlatte hoch, aber es zwingt mich, nur die Autos zu kaufen, hinter denen ich wirklich stehen kann. Das schätzen meine Kunden sehr. Daher sage ich im Zweifel 999 mal Nein: Zu viele Kilometer, Reimport, schlecht nachlackiert, fehlende Unterlagen oder Unfallschäden sind für mich klare Ausschlusskriterien. Ich will Fahrzeuge, die man hier in Europa schätzt, aber genauso ungesehen nach Amerika verschiffen kann und der Käufer sagt am Ende: Das Auto ist genau so gut, wie du es beschrieben hast“, fasst der passionierte Porsche-Fahrer zusammen.
Michael Schnabl ist nach wie vor selbst begeisterter Porsche-Fahrer, hat einen 964 Carrera 2 in Amethyst, und legt noch gern selbst Hand an.
Mittlerweile vertrauen Sammler und Enthusiasten weltweit Michael Schnabl, der sich dann auch um den internationalen Transport bis zur Verzollung Export kümmert. „In manchen Ländern ist es nicht möglich wie bei uns die Fahrzeuge zu bewegen. Die Fahrzeuge von Kunden aus diesen Regionen bleiben dann in Deutschland und werden durch uns aufbewahrt und gepflegt. Daraus hat sich ein geschlossenes Ökosystem entwickelt. Unter dem Motorlegenden-Dach gibt es einen eigenen Bereich wo Eigentümer Ihre Fahrzeuge langfristig aufbewahren können“, so Schnabl.
Die Beratung hört für den Unternehmer nicht beim Verkauf auf, sondern „umfasst alle Themen von den Möglichkeiten eines Oldtimer-Leasings bis zur Allgefahren-Versicherung“. Um die Qualität der Sammlerstücke zu gewährleisten, gibt es mittlerweile eine eigene Aufbereitung und Veredelung namens „Detailhelden“. „Auch Eigentümer von Fahrzeugen anderer Marken schätzen diesen Service und bringen ihre Autos zum Aufbereiten, Konservieren und Pflegen“.
Die Verbindung zweier Leidenschaften wurde zu Michael Schnabls Profession
Dass Schnabl heute mit seltenen Autos handelt, zeichnete sich erst spät ab. Ursprünglich war er in die elterliche Modefirma eingestiegen – mit Erfolg. „Wir haben eine Marke aufgebaut, Shops eröffnet, waren mit 100 Mitarbeitern auf einem Level, das ich mir nie vorgestellt hätte. Aber irgendwann war klar: Es geht nicht mehr ums Aufbauen, sondern ums Bewahren, um Politik. Fast Fashion bedeutet, dauernd an neuen Kollektionen zu arbeiten und immer mehr Waren in den Markt zu bringen. Das war eine sehr stressige Zeit“, sagt der Familienvater heute. „Nach 20 Jahren haben wir 2017 die Firma verkauft. Das war ein echter Cut, und der war gut. Ab da konnte ich mich wieder fragen: Was macht mir wirklich Spaß?“
Seine berufliche Erfüllung suchte Michael Schnabl schon immer in Jobs, die sich mit seinen unterschiedlichen Interessen decken – als Barkeeper, Plattenhändler, später Inhaber in der Modebranche. Doch sein Glück fand er in der Suche und dem Handel mit klassischen Porsche-Modellen.
Die Motivation, 2018 den Schritt zur Gründung von Motorlegenden zu wagen, beruhte auf zwei Säulen. Die erste Säule waren die Erfahrungen, die er selbst während seiner Suche für seine privaten Porsche-Fahrzeuge gemacht hat. Michael Schnabl fand nämlich schon früh Freude an alten 911. Bereits mit Anfang 20 restaurierte er sein erstes Porsche 911 F-Modell – „ein früher ’67er 2,0 Liter Short-Wheel-Base“. Später diente ein 911 2.4 S Targa als Hochzeitsauto. Doch die Art und Weise der Fahrzeugpräsentation bei den Händlern gefiel ihm nicht. Auch das mangelnde Wissen bei Privatverkäufern über tatsächlich Zustand und Preis der Fahrzeuge stieß ihm auf. „Ich dachte mir, das geht doch besser!“
Das Sammeln war eigentlich gar nicht das Entscheidende – das Suchen war viel erfüllender!
Dazu ist Musik auf Vinyl immer schon sein Hobby gewesen und er legte gern auf, macht heute noch regelmäßig DJ-Abende im Restaurant eines guten Freundes. „Auflegen ist wie driften mit den Ohren – du musst immer beide Stücke in ihrer Geschwindigkeit aufeinander anpassen und das analoge daran ist einfach echt.“ Dadurch sammelte er Platten. „Doch das Sammeln war gar nicht das Entscheidende – das Suchen war viel erfüllender! Flohmärkte abklappern, besondere Platten finden… Das mache ich heute noch gern.“
Das Ziel: „Menschen zusammenbringen, die einen tollen Porsche kaufen oder verkaufen wollen“
Die Freude am Suchen besonderer Schätze und am Fahren klassischer Autos war schließlich die Triebfeder zur Gründung von Motorlegenden. „Hier wollte ich die Fahrzeugauswahl vornehmen und Menschen zusammenbringen die einen tollen Porsche kaufen oder verkaufen wollen. Das Ganze sollte in einer professionellen, aber vor allem auch entspannten Umgebung bei einem persönlichen Austausch und einer Tasse Kaffee stattfinden. Die Geschichten der Menschen finde ich genauso spannend wie die ihrer Fahrzeuge oder der Suche danach.“
Obwohl Schnabls Geschäft zu einem großen Teil aus dem Handel mit Sammlerfahrzeugen besteht, wurde aus ihm selbst jedoch kein Sammler. „Für mich war schnell klar, dass ich Autos auch verkaufe, um ein neues Kapitel aufzumachen. Bei mir kann aus der Freude am Besitz ansonsten auch ein Gefühl von Ballast werden.“
„Am Ende war es oft nur noch Spekulation“ – Michael Schnabls Blick auf den Porsche-Markt
Wie schnelllebig der Handel mit Porsche Sportwagen sein kann, erlebte Michael Schnabl selbst im Schnelldurchlauf. Nach der Pandemie waren die Zinsen niedrig und die Nachfrage hoch. „Es war ein absoluter Verkäufermarkt. Durch immer mehr Sondermodelle in den letzten Jahren – alles war „der letzte Sauger“, alles sollte wertvoll sein – drehte sich dieses Bild. Am Ende war es oft nur noch Spekulation. Jetzt ist das Angebot riesig, die Nachfrage selektiv. In so einem Käufermarkt trennt sich das wirklich Besondere eben vom Mittelmaß.“
Die hohen Produktionszahlen von Porsche GT-Fahrzeugen der letzten Jahre könnten laut Michael Schnabl zu weiteren Preiskorrekturen führen.
Die Entwicklung der Gebrauchtpreise für moderne GT-Modelle sieht Schnabl als gutes Beispiel dafür: „Diese Fahrzeuge wurden in sehr großen Stückzahlen gebaut. Die Nachfrage war riesig und sofort verfügbare Fahrzeuge extrem teuer! Doch mittlerweile sehen wir, dass zum Beispiel 992 GT3 RS teilweise wieder zum Listenpreis oder darunter verkauft werden. Das kann in fünf bis zehn Jahren wieder anders aussehen, aber für den Moment sieht es nach einer leichten Korrektur nach unten aus.“
Herausforderungen auch bei Klassikern
Generell sei die „Goldgräberstimmung“, wie Michael Schnabl gern sagt, mittlerweile vorbei. „Bei vielen F-Modellen und 356ern hat die Restaurierungswelle der letzten Jahrzehnte viel Originalität gekostet. Heraus kamen zwar perfekt glänzende Autos, aber am Ende haben sie mehr mit einer Neuinterpretation zu tun, als mit dem ursprünglichen Fahrzeug“, sagt der Motorlegenden-Gründer. Original erhaltene Fahrzeuge zu finden, sei deshalb heute eine umso größere Herausforderung. „Es ist keine leichte Aufgaben, diese Unterschiede potenziellen Interessenten ohne tiefe technische Kenntnisse zu vermitteln“.
Besonders wenn es um das 911 F-Modell geht, gerät Michael Schnabl ins Schwärmen. In ihm sieht er die reine Lehre des Elfers.
Auch neue Käufer-Generationen für klassische Fahrzeuge zu begeistern, sieht Michael als Herausforderung. „Die Preise sind – auch wenn diese Autos es wert sind – auf einem hohen Niveau. Und was ist, wenn mal etwas kaputt geht? Welche Werkstätten können daran überhaupt noch arbeiten?“ Seine Aufgabe sieht er deshalb längst nicht mehr nur im klassischen Handel: „Bei einem F-Modell oder einem 356 musst du nicht nur das Auto verkaufen, sondern auch die Erwartung daran. Es ist kein moderner Sportwagen, der dir jede Komfortfunktion bietet. Es ist ein Klassiker, der für sein Alter unglaublich sportlich fährt – aber eben zu seinen eigenen Bedingungen.“
Events, bei denen hundert F-Modelle um den See rollen, sind toll. Aber noch spannender wäre es, Menschen zusammenzubringen, die vielleicht noch nie so ein Auto gefahren sind – die dann einmal erleben, wie sich ein 60 Jahre alter Elfer anfühlt.
Er mache sich viele Gedanken, wie man jüngere Generationen wieder näher an das Thema der klassischen Modelle heranbringen kann. „Für mich ist das F-Modell der ultimative 911, die reine Lehre! Diese Generation entschleunigt dich auf eine ganz besondere Art“, schwärmt der 49-Jährige. Doch man müsse sie für potenzielle Interessenten wieder zugänglicher machen. „Events, bei denen hundert F-Modelle um den See rollen, sind toll. Aber noch spannender wäre es, Menschen zusammenzubringen, die vielleicht noch nie so ein Auto gefahren sind – die dann einmal erleben, wie sich ein 60 Jahre alter Elfer anfühlt.“
Welche Porsche-Modelle gerade spannend sind und es für Motorlegenden in Zukunft werden
Ich frage Michael nach seiner persönlichen Prognose für den Porsche-Markt der kommenden Jahre. „Ein Bekannter hat vor ein, zwei Jahren gesagt: Die nächsten zehn Jahre werden die absolute Renaissance des Verbrenners. Ich glaube, er hat Recht: Gute, ehrliche Klassiker werden eine stabile Nachfrage behalten. Aktuelle Fahrzeuggenerationen wirken häufig emotionslos – genau diese Emotionen finden viele Menschen im klassischen Elfer“, so seine Antwort. „Momentan sehe ich besonders den 964 und 993 im Kommen. Beides Modelle, die mir auch sehr gut gefallen für die aktuell zurecht hohe Preise erzielt werden. In Zukunft werden auch sicher mehr Menschen den 996 und 997 für sich entdecken“, erklärt der Spezialist für seltene Porsche.
Ehrlich klärt Michael Schnabl auch über Risiken auf. „Ich will nicht derjenige sein, der sagt: ‚Wird schon gutgehen.‘ Lieber investiert man einmal vernünftig – und hat dann Ruhe. Dann wird ein 996 zu einem unfassbar guten Auto fürs Geld.“
Mich interessiert, wie er zum Risiko von Schäden an den ersten wassergekühlten Motoren steht. „Die Motoren haben teilweise thermische Probleme, auch das Zweimassenschwungrad kann Schwierigkeiten machen. Die Wahrscheinlichkeit für einen kapitalen Schaden ist zwar niedrig, aber 20.000 Euro und mehr für eine Motorrevision sind erstmal kein Spaß – auch wenn es grundsätzlich gut angelegtes Geld ist. Die Auswahl des richtigen Fahrzeugs ist bei diesen Modellen besonders wichtig. Wer eine stärkere Wasserpumpe einbaut und das Steuergerät so anpasst, dass der Lüfter früher anspringt, vielleicht noch das Zwischenwellenlager erneuert, kann beruhigter fahren und hat lange Zeit ein richtig tolles Auto, das dazu sehr wertstabil ist!“
Ein Bekannter hat vor ein, zwei Jahren gesagt: Die nächsten zehn Jahre werden die absolute Renaissance des Verbrenners. Ich glaube, er hat Recht: Gute, ehrliche Klassiker werden eine stabile Nachfrage behalten.
Auch den Baureihen 912 und 924 kann Schnabl viel abgewinnen. „Es gibt nach wie vor Leute, die Transaxle-Modelle als Hausfrauen-Porsche abtun oder den 912 lediglich als abgespeckten Elfer sehen. Das tun sie allerdings eher aus Unsicherheit, weil sie Angst haben, dass diese Autos anderen Menschen nicht gefallen da sie nicht als Statussymbol gelten. Dabei bieten diese Fahrzeuge nach wie vor verdammt viel – für vernünftiges Geld“, sagt Michael, der den seltenen Porsche 924 Carrera GT nach wie vor zu seinen Lieblingsmodellen zählt.
„Meine Aufgabe ist es, diese Idee in etwas Reales zu übersetzen“
Im Laufe unseres Gesprächs wird mir schnell klar, dass Michael Schnabl sich selbst weniger als klassischen Händler sieht. Er ist vielmehr eine Art Kurator – filtert, lehnt ab, sortiert aus und bringt dann Menschen mit Autos zusammen, die wirklich zueinander passen. „Viele meiner Kunden sind zum ersten Mal auf der Suche nach einem Klassiker oder einem besonderen Porsche. Die haben eine Idee im Kopf, aber ihnen fehlt oft die Erfahrung. Meine Aufgabe ist es, diese Idee in etwas Reales zu übersetzen. Auch bei einem möglichen Verkauf ihres Fahrzeugs sind die Eigentümer oft überfordert, haben dafür schlicht keine Zeit oder wollen nicht, dass fremde Menschen zu Ihnen nach Hause kommen.“
In den acht Jahren seit der Gründung von Motorlegenden hat Michael Schnabl sich einen exzellenten Ruf in der Szene erarbeitet und blieb dabei bescheiden, nahbar, aufrichtig.
Was ihn antreibt, ist am Ende immer das Suchen – und das Finden. „Ich suche für meine Kunden Autos, von denen ich sagen kann: Wenn du diesen Porsche kaufst, wirst du dich in zehn Jahren nicht fragen, warum du es gemacht hast. Vielleicht wirst du dann feststellen, dass er mehr wert ist. Vielleicht auch nicht. Aber du wirst sagen: Es war jede Fahrt wert.“
Michael Schnabl hat sich bei der Suche für seine Kunden auch selbst gefunden
Am Ende unseres Gesprächs komme ich auf den Satz zurück, mit dem dieses Porträt begann: Aus dem Suchenden ist jemand geworden, der sich im Suchen für andere selbst gefunden hat. Michael Schnabl denkt kurz nach und nickt. „Vielleicht ist das tatsächlich der rote Faden“, sagt er. „Als DJ habe ich Platten gesucht, nicht um sie zu horten, sondern um sie jemand anderem vorzuspielen. Bei den Autos ist es ähnlich. Ich suche nicht für mich – ich suche für jemanden, der in diesem einen Porsche ein Stück seiner eigenen Geschichte findet.“
Michael Schnabl sucht nicht nur Porsches für andere. Er hat sich – irgendwo zwischen F-Modell, 993 und der Frage, welche Geschichten seine Autos morgen noch erzählen werden – auch selbst gefunden.