Nobody’s perfect – Wie Porsche Le Mans dominierte

Nobody’s perfect – Wie Porsche Le Mans dominierte

20.11.2018 / Von Richard Lindhorst

Es ist bis heute das prestigeträchtigste Rennen der Welt – Das 24h Rennen von Le Mans. In den 1980er Jahren gab es dort an Porsche nahezu kein Vorbeikommen. Siebenmal konnte Porsche in den 80ern die 24h von Le Mans gewinnen, davon sechsmal mindestens mit einem Doppelsieg. Wir wagen einen Rückblick auf eine bis dahin ungekannte Dominanz, die eine der bekanntesten Werbemaßnahmen der Stuttgarter zur Folge hatte.

Porsche dominierte Le Mans fast ein Jahrzehnt nach Belieben

Nachdem sich der Porsche 908/80, pilotiert von Reinhold Joest und Jacky Ickx 1980 noch mit dem zweiten Platz hinter dem französischen Rondeau M379 von Jean Rondeau und Jean-Pierre Jaussaud begnügen musste, begann ab 1981 eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. Jacky Ickx erreichte zusammen mit Derek Bell 1981 im 936/81 Porsches ersten Gesamtsieg in den 80ern. Der Porsche 936 erhielt im Übergangsjahr 1981 bereits einen Motor, der zur Erprobung für den späteren Porsche 956 eingesetzt wurde. Es handelte sich dabei um einen 2,65 Liter Sechszylinder-Boxermotor mit zwei Turboladern.

Zur 1982er Ausgabe des Langstreckenklassikers wurden auch Prototypen der neuen Gruppe C zugelassen. Der von Grund auf neu konstruierte Porsche 956 schlug sofort ein, wie eine Bombe. Die drei Werksprototypen vom Rothmans Team holten die ersten drei Plätze im Gesamtklassement, vor zwei Porsche 935. Fünf Porsche auf den ersten fünf Plätzen sorgten für reichlich Stirnrunzeln bei der Konkurrenz.

Was machte den Porsche 956 so besonders?

Da die bisher genutzten Porsche 936 noch dem Klasse 6 Reglement entsprachen, musste Porsche für die Gruppe C ein komplett neues Fahrzeug an den Start bringen. Unter der Leitung eines gewissen Norbert Singer konstruierten die Porsche-Ingenieure ein Chassis, dass im Gegensatz zum antiquierten Gitterrohrrahmen-Aufbau des 936 über ein Aluminium-Monocoque verfügte. Besonderes Augenmerk legte Singers Mannschaft auf die Aerodynamik des 956. Das Ziel war, mindestens genauso viel Abtrieb zu erzeugen wie der 917/30 aus der Can-Am Serie.

Dazu begann Singers Mannschaft, den Ansatz aus der Formel 1 mit seitlichen Schürzen zur Abdichtung des Unterbodens zu kopieren und einen passenden Diffusor zu konstruieren, um Abtrieb über den Unterboden zu generieren. Nachdem das System nicht funktionieren wollte, kam Singer auf die Idee, die Schürzen wegzulassen und stattdessen die Seitenschweller und Kotflügel zu nutzen, um die Luft Richtung Unterboden zu leiten. Dieser Schritt war des Rätsels Lösung – der Wagen wurde durch den erzeugten Unterdruck quasi auf die Fahrbahn gesogen und war somit der erste ground effect Sportwagen in Le Mans. Im Vergleich zum früheren 917 Prototypen verfügte der 956 zwar über 30 km/h weniger Höchstgeschwindigkeit auf der Hunaudière-Geraden, machte diesen Nachteil aber durch den deutlich erhöhten Abtrieb in den Kurven mehr als wett.

Porsche Le Mans

Gerade in den ersten Jahren der Sportwagen Weltmeisterschaft nach Gruppe C Reglement gab es wenig Konkurrenz für Porsche. Zunächst unternahmen nur Lancia und das schweizer Privatteam Sauber ernsthafte Versuche, Porsche Paroli zu bieten. Die übrigen Hersteller um Jaguar, Nissan, Toyota und Mazda waren erst Ende der 80er Jahre wirklich konkurrenzfähig. Die Kombination des äußerst standfesten 620 bzw. 640 PS starken Boxermotors mit der ausgefeilten Aerodynamik galten Mitte der 80er als das Maß der Dinge.

Besonders drückend war die Überlegenheit des 956 im Jahr 1983. Die Konkurrenz von Lancia und Sauber war zwar schnell, hatte jedoch Probleme mit der Zuverlässigkeit. Während Michele Alboreto seinen Lancia LC 2 in der Qualifikation noch neben den Rothmans Porsche von Jacky Ickx auf Position zwei stellen konnte, dauerte das Aufbäumen der Italiener im Rennen nicht allzu lang. Bereits vor Einbruch der Dunkelheit waren beide Lancias mit technischen Problemen ausgefallen.

1983 landeten 9 von 11 gestarteten Porsche 956 in den Top 10

Bei all der Porsche Dominanz gerät die dramatische Schlussphase dieses Rennens häufig in Vergessenheit. Al Holbert, der sich mit Hurley Haywood und Vern Schuppan den Porsche 956 mit der #3 teilte, ging mit einem kurz vorm Kollaps stehenden Motor in die letzte Rennrunde. Derek Bell im favorisierten #1 Porsche konnte sich zurückrunden und es sah so aus, als würden die Vorjahressieger ihren Coup wiederholen können. Holberts Motor überhitzte, rauchte und hatte kaum noch Leistung, Bell holte alles aus seinem 956 heraus. Im Laufe der letzten Runde jedoch ging Bell der Sprit zur Neige, sodass auch er hoffen musste, überhaupt die Ziellinie zu erreichen.

Des einen Leid, war des anderen Freud. So konnte Al Holbert seinen waidwunden 956 ganze 17 Sekunden vor dem Schwesterauto ins Ziel bringen. Hinter den beiden Werksporsche folgten noch sechs weitere Porsche 956, bevor der Sauber C7 mit Rang neun zumindest einen Farbtupfer in die Top 10 brachte und einen Zehnfacherfolg Porsches verhinderte. Doch dieser Achtfachsieg ist bis heute an der Sarthe unerreicht. Neun der insgesamt elf Gruppe C-Renner aus Zuffenhausen kamen in den Top Ten ins Ziel. Porsches Marketingabteilung nahm’s mit Humor und sorgte mit dem weltberühmten Plakat „Nobody’s perfect“ für Aufsehen.

Porsche Le Mans

 

Konkurrenz auch in den Folgejahren ohne Mittel gegen die Porsche-Übermacht

Zwar brachte Porsche 1984 aufgrund verschiedener Änderungen am Reglement kein Werksteam an den Start, doch die Privatteams brachten sieben Porsche 956 auf die ersten sieben Plätze im Gesamtklassement. Klaus Ludwig und Henri Pescarolo holten sich im Joest Porsche 956 den Gesamtsieg. Der Lancia LC2 von Bob Wollek und Allessandro Nannini, nun mit einem V8 Turbomotor von Ferrari ausgestattet, führte zwar einige Zeit lang, konnte jedoch am Ende nur Platz acht als erster Porsche-Verfolger für sich verbuchen.

Auch 1985 zeigte sich ein ähnliches Bild. Neben den Privatteams mit dem bewährten Porsche 956B, schickte Porsche nun auch wieder Werksfahrzeuge nach Le Mans. Doch der neu entwickelte und von allen als Favorit auserkorene Porsche 962C musste sich mit dem dritten Platz hinter dem Joest Porsche 956B um Klaus Ludwig und dem 956 GTi von Richard Lloyd Racing begnügen. Mit Ausnahme der beiden Werks-Lancias auf den Plätzen sechs und sieben war die Top 10 wieder den Porsche Prototypen vorbehalten. Die Konkurrenz um Toyota, Mazda, Jaguar und Aston Martin folgte erst weit dahinter.

Porsche Le Mans

Trotz drei neu entwickelter Jaguar XJR-6 von Tom Walkinshaw Racing sowie neuer Konkurrenz aus dem Hause Nissan gerieten auch die 24h von Le Mans 1986 zur Triumphfahrt für die Stuttgarter. Mit Ausnahme des privaten Gebhart JC843 von ADA Engineering auf Platz acht waren nur Porsches unter den ersten zehn. Diesmal siegte der vom Werk eingesetzte 962C von Derek Bell, Hans-Joachim Stuck und Al Holbert. Beim 962 handelte es ich um eine modifizierte Version des 956 mit 12 cm verlängertem Radstand. Die Änderungen waren nötig, um für das GTP Reglement in den USA einen Stahlrohrkäfig zu verbauen und die Pedalerie hinter der Vorderachse zu positionieren.

Erst der neue Jaguar XJR-8 stellte Porsche vor Probleme

1987 kam endlich etwas mehr Vielfalt in die Ergebnisliste. Die Favoritenrolle wurde vor dem Rennen den neu entwickelten Jaguar XJR-8 zugesprochen. In der Sportwagen Weltmeisterschaft dominierten die Raubkatzen und gewannen die ersten vier Rennen des Jahres. Dazu gesellte sich die Konkurrenz von Sauber, Nissan, Toyota, Mazda und ganz besonders der ebenfalls porschebefeuerte Cougar C20. Nachdem alle drei Jaguar mit überhitzenden Motoren zu kämpfen hatten, war der Weg frei für einen weiteren Porsche-Doppelsieg.

Porsches Siegesserie in Le Mans riss erst bei der 1988er Auflage des Langstreckenklassikers. Jaguar schnappte sich mit dem XJR-9 des Trios Lammers, Dumfries und Wallace in einem knappen Finish den Sieg vor dem werksseitig eingesetzten 962C von Hans-Joachim Stuck, Klaus Ludwig und Derek Bell. Trotz des verpassten Siegs war die Top 10, mal wieder, mit insgesamt acht Porsche Prototypen besetzt. Neben dem Sieger durchbrach nur noch der zweite Werks-Jaguar auf Platz vier die Porsche Phalanx.

Auch 1989 hatte Porsche, erst zum dritten Mal im gesamten Jahrzehnt, das Nachsehen. Gegen die von Mercedes unterstützten Sauber C9 war kein Kraut gewachsen, sodass für Stuck und Wollek nur der dritte Platz auf dem Siegertreppchen übrig blieb. Porsche verzeichnete trotzdem in jedem einzelnen Le Mans Rennen der 80er Jahre mindestens einen Podestplatz. Insgesamt stehen sieben Siege, acht zweite und sieben dritte Plätze, also 22 Platzierungen auf dem Siegerpodest zu Buche. Von 100 möglichen Platzierungen unter den ersten zehn strich Porsche in den 80ern insgesamt 64 ein.

Porsche ist bis heute der erfolgreichste Hersteller beim 24 Stunden Rennen von Le Mans

Die Überlegenheit der Gruppe C Prototypen von Porsche sucht bis heute ihresgleichen. Zwar konnte die Konzernschwester Audi eine vergleichbare Erfolgsserie mit mittlerweile 13 Siegen erreichen, doch trotz der Audi-Dominanz im 21. Jahrhundert ist Porsche der bis heute erfolgreichste Hersteller beim 24 Stunden Rennen von Le Mans. Insgesamt haben die Stuttgarter 19 Gesamtsiege an der Sarthe auf der Haben-Seite. Die letzten Erfolge markierte der mittlerweile nicht mehr eingesetzte Porsche 919 Hybrid in den Jahren 2015, 2016 und auch bei seinem letzten Einsatz 2017. Im ersten Einsatzjahr 2014 siegte noch die Konkurrenz von Audi mit dem R18 e-tron quattro. Nobody’s perfect eben.

Porsche Le Mans

Copyright Bilder: Porsche AG

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