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Porsche 991.1 GT3: Mehr GT3 fürs Geld oder unkalkulierbares Risiko?

24.02.2026 Von Richard Lindhorst
Porsche 991.1 GT3: Mehr GT3 fürs Geld oder unkalkulierbares Risiko?

Es gibt Sportwagen, die man besitzen will – und solche, die man wirklich benutzt. Der Porsche 911 GT3 gehört eigentlich in beide Kategorien. Da bildet der 991.1 GT3 keine Ausnahme. Als Extremsportler geboren, steht er für die Markenwerte Porsches wie kaum ein anderes Auto. Man kann darin noch relativ komfortabel an die Rennstrecke fahren, dort sagenhafte Rundenzeiten hinlegen und danach wieder auf Achse nach Hause fahren. Für viele gilt der 911 GT3 als perfektes Trackday-Auto. Kein Wunder also, dass während der Sommermonate am Nürburgring gefühlt jedes dritte Fahrzeug ein GT3 ist.

Doch mit zunehmendem Alter kippt diese Stimmung bei manchen Fahrzeugen irgendwann: Aus dem Tracktool wird ein Sammlerauto. Die latente Angst, ein Fahrzeug von immer größerer historischer Relevanz mit drastisch steigendem Wert in einem Unfall zu zerstören, macht jede Fahrt zum Rechenexempel. Ikonen wie der 964 Carrera RS oder 996 GT3 RS haben diesen Punkt bereits erreicht. Der 997 ist auf bestem Wege, dem zu folgen, der 991.2 GT3 ebenso. Dazwischen befindet sich der Porsche 991.1 GT3 der Modelljahre 2013 bis 2016. Noch immer pfeilschnell, preislich möglicherweise auf dem Tiefpunkt – Ist der 991.1 GT3 deshalb aktuell der Sweet-Spot? Oder ist er am Ende vielleicht sogar ein Kauf mit Risiken?

© Porsche

Der Porsche 991.1 GT3 wurde zum 50. Jubiläum des 911 in Genf vorgestellt

Als erste komplett neu gestaltete Generation 911 unter der Leitung des damaligen Porsche Chefdesigners Michael Mauer kam der Porsche 991 zum Modelljahr 2012 auf den Markt. Im März 2013 folgte mit dem 991 GT3 das erste GT-Modell der neuen Baureihe. Es wurde auf dem Autosalon in Genf zum 50. Jubiläum des Porsche 911 vorgestellt und war eine echte Revolution.

Nachdem Porsche 997.1 und 997.2 GT3 jeweils logische Evolutionen der 996 GT3-Modelle waren, betrat Porsche mit dem 991.1 GT3 echtes Neuland.

Zum damaligen Basispreis von 137.303 Euro inklusive Mehrwertsteuer für den deutschen Markt gab es eine echte Technik-Offensive. Der 3,8 Liter Sechszylinder-Boxermotor mit 475 PS war eine vollständige Neuentwicklung. Während der Vorgänger noch auf dem von Hans Mezger entwickelten Design basierte, handelte es sich hier um die konstruktive Basis, die auch im 991.1 Carrera S zum Einsatz kam. Dank überarbeitetem Kurbeltrieb mit Titanpleueln und Schmiedekolben wurde das Aggregat für Drehzahlen bis 9.000 Umdrehungen pro Minute ausgelegt.

Elektrische Servolenkung, neu konstruierter Motor mit Direkteinspritzung, aktiv mitlenkende Hinterachse – der Porsche 991.1 GT3 war technisch enorm innovativ. © Porsche

Außerdem präsentierte Porsche damals stolz den erstmaligen Einsatz einer aktiven Hinterachslenkung in einem Zuffenhausener Sportwagen. Diese kann die Spur der Hinterräder nach Belieben aktiv regulieren, um so für mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und mehr Agilität in engen Kurven zu sorgen.

Der erst 911 GT3 mit Doppelkupplungsgetriebe – und zwar ausschließlich!

Eine weitere Neuerung des Porsche 991.1 GT3 betraf das Getriebe. Stand der 911 GT3 bis dahin für puristisches Fahren mit Saugmotor und 6-Gang-Schaltgetriebe, sollte er mit einem neu entwickelten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe nach noch mehr Performance streben. In Sachen Beschleunigung zeigte es Wirkung. Mit 3,5 Sekunden war er von null auf hundert km/h eine gute halbe Sekunde schneller als sein Vorgänger. Der 315 km/h schnelle GT3 war außerdem mit einer Rundenzeit von 7:30 Minuten auf der Nordschleife in einer Liga mit dem nur 600 mal gebauten 997.2 GT3 RS 4.0 und dem Carrera GT!

Mit dem Einsatz des PDK machte Porsche die Performance des 991.1 GT3 noch zugänglicher. Auch weniger versierte Fahrer taten sich darin deutlich leichter, an die Grenzen des Fahrzeugs zu gehen.

Doch was der Performance zuträglich ist, muss den treuen Markenfans noch lange nicht gefallen. Das weiß man bei Porsche vermutlich besser als bei jedem anderen Autobauer. Der Wegfall des manuellen Schaltgetriebes war so ein Thema und wurde von vielen Kunden kritisch gesehen. Trotzdem verkaufte sich der Porsche 991.1 GT3 hervorragend. Mit etwa 6.300 Exemplaren setzte Porsche so viele 911 GT3 ab, wie in keiner Baureihe zuvor. Der 997.1 GT3 brachte es auf 3.329 verkaufte Fahrzeuge, der 997.2 GT3 auf insgesamt 2.256 Stück.

Wie haben sich die Preise des Porsche 991.1 GT3 entwickelt?

Nach dem großen kommerziellen Erfolg des 991.1 GT3 fielen die Preise am Gebrauchtmarkt zunächst kaum. Stattdessen lagen die Angebote zumeist relativ nah am ursprünglichen Neupreis. 2020 gab es allerdings eine deutliche Delle. Dort sanken die Preise für Porsche 991.1 GT3 im Median auf nur noch knapp über 110.000 Euro. Bis 2022 erholten sich die Preise wieder in Richtung 140.000 Euro, sanken seitdem jedoch Jahr für Jahr ein paar Tausend Euro. 2025 lag der Medianpreis bei relativ genau 130.000 Euro – also sehr nah am Neupreis. Diese Entwicklung ist für sich genommen nichts Ungewöhnliches. Doch der Blick auf die Preise der Vorgänger und Nachfolger wirft Fragen auf.

Die Modelle 997.1 und 997.2 GT3 sanken 2020 ebenfalls leicht im Preis. Allerdings stiegen beide seitdem merklich in der Gunst der Käufer. 2025 kosteten 911 GT3 der ersten 997-Generation im Mittel knapp über 120.000 Euro, 997.2 GT3 sogar knapp unter 150.000 Euro. Das heißt, beide liegen mittlerweile durchschnittlich oberhalb der damaligen Neupreise von etwa 110.000 bis 120.000 Euro vor Sonderausstattungen.

Diese weit aufklaffende Preisspanne zwischen den 911 GT3-Modellen vor und nach dem Facelift zeigt sich auch in der Baureihe 991. Zwischen den Angebotspreisen beider Modelle lagen kontinuierlich bis zu 30.000 Euro. Es hat allerdings den Anschein, dass diese Lücke 2026 noch größer werden könnte – trotz mit etwa 9.500 gebauten 991.2 GT3 nochmals höheren Stückzahlen. Der Grund liegt einerseits im Preisanstieg des 991.2, andererseits aber auch im leichten Abwärtstrend beim 991.1 GT3. Doch woher kommt die Zurückhaltung auf Käuferseite?

Warum sind Porsche 991.1 GT3 deutlich günstiger als 991.2 GT3?

In der Porsche-Welt ist es nicht anders als im übrigen Leben. Man kann nie alles auf einmal haben. Ist der Porsche 991.1 GT3 hier etwa das Einhorn? Schließlich ist er noch heute ein unglaublich potenter, leistungsstarker Sportwagen mit zeitloser Optik, modernen Assistenzsystemen und hervorragender Qualität. Woher kommt also der Preisunterschied zum 991.2 GT3? Und warum ist die Entwicklung von 997.1, 997.2 und 991.2 GT3 jeweils konträr zum 991.1?

Die Antwort darauf hat technische Gründe. Denn der 991.1 GT3 war für Porsche zunächst ein sehr heikles Produkt. Nachdem zwei Porsche 991.1 GT3 in Folge sich lösender Pleuelverschraubungen in Brand gerieten, stoppte Porsche die Produktion, rief 785 Fahrzeuge zurück und empfahl, die Fahrzeuge nicht mehr zu bewegen. Um auf Nummer sicher zu gehen, tausche Porsche vorsorglich bei allen bis März 2014 produzierten Modellen die Motoren gänzlich aus. Die Motoren mit dem Code E0 wurden hier durch solche mit dem Code E1 ersetzt.

Die Pleuelschrauben waren nicht das einzige Motorproblem des 991.1 GT3

Wer damals glaubte, er hätte nun seine Ruhe, der irrte. Denn es gab weitere Probleme an den GT3-Motoren. Obwohl Porsche ab den 2015er Modellen abermals veränderte Aggregate des Typs F verbaute, war nicht alles rosig. Es gab Schäden am Ventiltrieb, konkret an den Schlepphebeln. Sie sind dafür verantwortlich, die Bewegung der Nocken auf den Nockenwellen in die Öffnung der Ventile im Zylinder umzuwandeln. Durch übermäßigen Verschleiß dieser Schlepphebel kam es zu Motorschäden, die sich meist durch Fehlzündungen und Rasseln im Zylinderkopf ankündigten.

Der zeitlos schöne Porsche 991.1 GT3 hatte keinen leichten Start. Viele Motorprobleme sorgten für Unmut bei den Kunden. © RR Motors

Porsche reagierte mit weiteren Austauschmotoren und einer zehnjährigen Motor-Garantie

Es folgte abermals eine Überarbeitung des GT3-Motors. Die sogenannte G-Serie sollte endlich Abhilfe schaffen. Besonders Motoren ab der Nummer G6 gelten als unproblematisch. Sie verfügen unter anderem über speziell beschichtete Nockenwellen und Schlepphebel, eine geänderte Ölgalerie, den gleichen Ölfilter wie im 991.1 GT3 RS sowie eine angepasste Motorsteuerung. Durch diese Maßnahmen konnte Porsche die konstruktiven Schwächen des GT3-Motors ausmerzen.

Haben alle Porsche 991.1 GT3 bei Porsches Rückruf einen neuen Motor bekommen?

Die meisten aller 784 zurückgerufenen 991.1 GT3 erhielten 2014 einen neuen Motor. Sollte noch ein Motor mit der Kennung E0 verbaut sein, wurde er nicht ausgetauscht.

Welche Motoren wurden in welchem Modelljahr verbaut?

– 2013/2014: E0/E1
– 2015: F
– 2016: G
Dem Vernehmen nach sind alle nach 2016 eingebauten Austauschmotoren vom Typ G6.

Wie lange gilt/galt die Motorgarantie von Porsche auf den 991.1 GT3?

Porsches Motorgarantie gilt/galt 10 Jahre bzw. 200.000 Kilometer ab Erstzulassung, je nach dem, was zuerst eintritt/eintrat.

Gibt es noch die Möglichkeit einer Porsche Approved Garantie für 991.1 GT3?

Ja, bis zu einem Fahrzeugalter von 14 Jahren lässt sich nach bestandenem 111-Punkte-Check im Porsche Zentrum eine Garantieversicherung abschließen.

Anders als bei den ersten Motorschäden entschied sich Porsche 2017 gegen eine Rückrufaktion. Stattdessen gewährten die Stuttgarter nachträglich eine Garantie von 10 Jahren oder 200.000 Kilometern auf alle 991.1 GT3 Motoren, je nach dem, was zuerst eintrat. Diese galt ab Erstzulassung des Fahrzeugs und ließ sich beim Verkauf an den neuen Eigentümer übertragen. Doch diese zehnjährigen Garantien gehen auch bei den letzten Porsche 991.1 GT3 dieses Jahr zu Ende. Bis mindestens 2028 lässt sich über eine Individualgarantie von Porsche Approved nach absolviertem 111-Punkte-Check allerdings ein weiteres Sicherheitsnetz „einziehen“.

Die Motorgarantie verdankten 991.1-GT3-Fahrer wohl den Verhandlungen einiger besonders engagierter Mitglieder des amerikanischen Rennlist-Forums. Sie sprachen mit dem damaligen Leiter der GT-Abteilung, Dr. Frank-Steffen Walliser, persönlich über die Thematik.

Eine Geschichte, die vielen Porsche-Fans bekannt vorkommen dürfte

Mittlerweile sind die allermeisten schadhaften Motoren von Porsche ausgetauscht worden. Bei Fahrzeugen mit Motoren der Kennung E oder F wird gemeinhin angeraten, sich um eine Garantie zu bemühen. Wer einen der späteren Motoren mit G-Kennung, idealerweise ab G6, in seinem 991.1 GT3 verbaut hat, kann zahlreichen sorgenfreien Kilometern entgegen blicken.

Wer einen der späteren Motoren mit G-Kennung, idealerweise ab G6, in seinem 991.1 GT3 verbaut hat, kann zahlreichen sorgenfreien Kilometern entgegen blicken.

Bei allen Modellen mit extrem niedrigen Laufleistungen und aus frühen Baujahren gehört der Check der Motornummer für Experten daher zum Standard-Repertoire einer sogenannten Pre-Purchase-Inspection, also einer Inspektion vor dem Kauf. Sollte sich während der Kaufanbahnung herausstellen, dass das Objekt der Begierde einen Motor der E- oder F-Serie hat, ist auch das nicht das Ende der Welt. Es ist in erster Linie eine Frage, wie man das Thema angehen möchte. Es gibt bereits Spezialisten, die sich der Sache annehmen und Überarbeitungen des Ventiltriebs anbieten – kein günstiges Vergnügen, aber immer noch deutlich günstiger als ein Motortausch außerhalb der Garantie.

Das Thema rund um den ersten GT3-Motor nach der Mezger-Ära erinnert in vielerlei Hinsicht an die M96-Motoren im Porsche 996. Auch dort gab es Probleme mit anfangs sehr großem medialen Echo. Nachdem Porsche die Grundprobleme konstruktiv in den Griff bekam, relativierte sich das Thema. Preislich blieben Porsche 996 dennoch lange Zeit „abgestraft“ – allerdings nicht nur aus rationalen Gründen. Unsicherheit auf Käuferseite sorgte über viele Jahre für weniger Nachfrage.

Ein Porsche 991.1 GT3 mit G-Motor hat vielleicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller 911 GT3

Mittlerweile sind die 911 GT3 der Baureihen 996 und 997 längst auf dem Weg zum gesuchten Klassiker. Die aktuelleren 992 GT3 und auch der 991.2 GT3 sind als junge Gebrauchte am anderen Ende der Skala. Der Porsche 991.1 GT3 befindet sich zur Zeit genau zwischen diesen Extremen. Während der 991.2 GT3 preislich bereits wieder zulegt, bleibt abzuwarten, wie es nach Ablauf der letzten Motorgarantien mit den 991.1 GT3-Modellen weitergeht.

Im Dickicht der Unsicherheiten ergeben sich für Kenner in jedem Fall spannende Möglichkeiten. Denn ungeachtet künftiger Preisentwicklungen sind Porsche 991.1 GT3 mit G-Motor aktuell die GT3s mit dem vermutlich besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie bieten enorme Fahrleistungen, zeitloses Design und einen in dieser Fahrzeugklasse ungewöhnlich hohen Restkomfort. Dass der Kauf eines Porsche 991.1 GT3 gewisse Risiken birgt, ist unbestritten. Doch die geht man mit jedem Autokauf ein, so ehrlich muss man sein.

Der Porsche 991.1 GT3 ist keine Wette ohne Risiko. Doch mit der gebotenen Vorsicht und eventuell präventiven Maßnahmen ist es sicherlich eine der emotionalsten im gesamten Porsche-Kosmos.

Richard Lindhorst, Elferspot

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