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Porsche mit Klappscheinwerfer – Von 914 bis 964 Turbo Flachbau

11.03.2026 Von Richard Lindhorst
Porsche mit Klappscheinwerfer – Von 914 bis 964 Turbo Flachbau

Scheinwerfer geben einem Auto ein Gesicht. Sie bestimmen maßgeblich, ob ein Auto also freundlich, maskulin, aggressiv oder traurig wahrgenommen wird. Ihre Formgebung kennt dabei kaum Grenzen. Selbst Porsches Designer, seit jeher als konservativ bekannt, experimentierten immer wieder mit unterschiedlichen Lichtdesigns. Das neben dem klassischen Rundscheinwerfer ikonischste Design ist eines, das in erster Linie mit Transaxle-Modellen verbunden wird. Denn bei ihnen nutzte Porsche Klappscheinwerfer. Doch welche Porsche gab es noch mit den ikonischen Schlafaugen?

Der erste Porsche mit Klappscheinwerfern war der 914

Ende der 60er Jahre entwickelten Porsche und Volkswagen gemeinsam einen Mittelmotor-Sportwagen. Das Joint Venture wurde auf der Frankfurter IAA 1969 der Weltöffentlichkeit vorgestellt und sollte als Einstiegsmodell eine neue Käuferschicht ansprechen. Dazu ging Porsche auch im Design neue Wege. Zwar blieben die vom 911 bekannten „Torpedo-Kotflügel“ in Ansätzen erhalten, gerieten allerdings sehr viel schmaler. Daher boten sie nur noch Seitenblinkern und Standlicht Platz.

© Porsche

Die Scheinwerfer mussten folglich weiter nach innen wandern. Um die tief nach unten gezogene Silhouette zu erhalten, nutzten die Zuffenhausener einen besonderen Design-Clou. Denn der 914 war das erste Modell von Porsche mit Klappscheinwerfern. Unter in Fahrzeugfarbe lackierten Abdeckungen neben der Fronthaube versenkte Porsche je einen Rundscheinwerfer pro Seite. Diese klappten entgegengesetzt zur Fahrtrichtung auf und gaben die Lichter preis. Mit ihm begründete Porsche eine ganze Reihe an Modellen mit Klappscheinwerfern.

Auch die nächste Co-Produktion mit Volkswagen führte zu einem Klappscheinwerfer-Porsche

Auch bei einer weiteren Kooperationsentwicklung mit Volkswagen, dem Porsche 924, kamen Klappscheinwerfer zum Einsatz. Der Vierzylinder-Transaxle war eigentlich als Sportwagen für Volkswagen geplant. In Wolfsburg entschied man sich jedoch, den Wagen nicht als VW anzubieten und strich ihn aus dem Programm. Doch was Porsche aus dem Entwicklungsauftrag (EA) 425 machte, war so gut, dass die Stuttgarter ihn wiederum ab Modelljahr 1976 in Serie bauten.

© Porsche

Um trotz der relativ geringen Motorleistung von 125 PS aus einem Vierzylindermotor mit 2 Litern Hubraum gute Fahrleistungen zu erzielen, war die Aerodynamik besonders wichtig. Dadurch, dass Porsche Klappscheinwerfer einsetzte und auf die hohen Kotflügel verzichtete, konnte der cW-Wert auf beeindruckende 0,36 verringert werden. Solche Werte erreichte der 911 erst in der Generation 964.

Porsche nutzte beim 924 Klappscheinwerfer, um eine besonders gute Aerodynamik zu erzielen. So genügten die 125 PS des Volkswagen-Vierzylinder-Motors bereits für 200 km/h Höchstgeschwindigkeit und sehr günstige Verbrauchswerte.

Mit seinen Klappscheinwerfern wurde der Porsche 924 zum Vorboten einer neuen Ära in Zuffenhausen. Denn die versenkbaren Scheinwerfer charakterisierten alle nachfolgenden Transaxle-Modelle. Das ist aus heutiger Sicht besonders interessant. Schließlich sollte Porsche sich nach Einführung des 924 eigentlich in eine Zukunft ohne 911 bewegen. Wer weiß, vielleicht wäre Porsche ohne die Intervention gegen die Einstellung des 911 von Vorstand Peter Schutz heute nicht für Rundscheinwerfer, sondern immer noch für ausgefallene Klappscheinwerfer berühmt?

Unterschiedliche Scheinwerfer-Konzepte bei den weiteren Transaxle-Porsches

Im ab 1977 produzierten Spitzenmodell 928 implementierte Porsche abermals Klappscheinwerfer. Allerdings hatten Design und Funktionsweise mit denen im 924 wenig gemein. Die Scheinwerfer waren – wie beim 911 – im Kotflügel integriert. Diese verliefen allerdings ohne Wölbung in einer Linie mit der Motorhaube. Außerdem lagen die Leuchten selbst nicht unter einer Abdeckung. So waren sie dauerhaft zu sehen und ermöglichten es, den 928 sofort vom kleineren 924 zu unterscheiden.

Auch der Klappmechanismus der 928-Scheinwerfer ging neue Wege. Denn statt nach hinten aufzuklappen, wie beim 924, stellten sich die Rundscheinwerfer nach vorn auf. Dadurch standen die Scheinwerfer frei im Wind, ohne Rahmen. Dieses Design polarisierte zweifelsfrei. Die einen liebten die flache Linie und die aufklappenden Leuchten. Die anderen sahen in ihm ein Sakrileg und verspotteten ihn mitunter als Froschauge. Heute gilt der bis 1995 gebaute Porsche 928 nicht nur unter Klappscheinwerfer-Fans als echte Stilikone. Vollkommen zurecht, wie wir finden!

Porsche Klappscheinwerfer an 944 S2
Gerade für jüngere Porsche-Fans wie Lukas Berger sind Transaxle-Porsches mit ihren ikonischen Klappscheinwerfern erschwingliche Traumwagen. © David Fierlinger, Elferspot

Beim Porsche 944, der die Lücke zwischen 924 und 928 schloss, setzte Porsche auf die Klappscheinwerfer des 924. In Kombination mit den breiteren Kotflügeln ist er besonders als später Turbo oder S2 vermutlich der erste Porsche, der den meisten in den Sinn kommt, sobald es um die gern als Schlafaugen bezeichneten Klappscheinwerfer geht.

Besonderes Angebot für Individualisten: Porsche 911 mit Klappscheinwerfern als Flachbau

Während der 1970er Jahre erlebte der Motorsport eine seiner wildesten Epochen. Die Sportwagen-Weltmeisterschaft mit den Reglements nach Gruppe 4, 5 und 6 ermöglichten wilde Kreationen auf Basis von Serienfahrzeugen. Ein Ingenieur namens Norbert Singer entdeckte ein Schlupfloch, das der Porsche Rennabteilung ermöglichte, dem 911 ein völlig neues Gesicht für den Rennsport zu verpassen. Durch den Einsatz flacher Kotflügel und das Versetzen der Scheinwerfer in die Frontschürze kreierte er eine besonders windschlüpfrige Karosse für den Porsche 935.

Die unzähligen Rennerfolge hatten sicher ihren Anteil daran, dass sich zahlreiche Tuner dieses Design zum Vorbild nahmen und als Nachrüstlösung für den Straßen-911 anboten. Porsche zog ab 1980 nach und bot seinen treuesten und zahlungskräftigsten Kunden die Option „Karosserieumbau 911 Turbo/ 911 SC Turbolook flache Frontpartie“ an.

Dieses Paket wurde mit Scheinwerfern in der Stoßstange angeboten, ehe Porsche 1983 kurzerhand Scheinwerfer des 944 in die flache Elferfront integrierte. Zwischen 1983 und 1987 entstanden insgesamt 204 Porsche 911 mit Klappscheinwerfern. Ab 1988 gab es den Flachbau sogar offiziell im Porsche-Katalog unter den Ausstattungscodes M505 (USA) und M506 (RdW). Insgesamt 686 dieser Klappscheinwerfer-911 wurden bis 1989 gebaut.

© RM Sotheby’s

968 und 964 Turbo Flachbau als letzte Porsche mit Klappscheinwerfern

Für den letzten Aufgalopp der Transaxle-Modelle ließ sich Porsche noch mal etwas Besonderes einfallen. Im 968, dem Nachfolger des 944, setzte Porsche 1991 auf einen ähnlichen Klappscheinwerfer-Mechanismus wie im 928. Aus den Kotflügeln klappten die nun dort integrierten Scheinwerfer nach vorn. Die Kotflügel selbst waren allerdings erhaben ausgeformt. Dadurch ähnelt die Gestaltung der Front in gewisser Weise dem letzten luftgekühlten Elfer, dem 993.

Das letzte neue Modell, in dem Porsche Klappscheinwerfer einsetzte, war allerdings kein Transaxle, sondern ein 911. Zum Modelljahr 1994 sollte Horst Sprenger als Leiter der Exclusive Abteilung ein letztes Sondermodell auf Basis des 964 auf den Markt bringen. Denn Porsche war knapp bei Kasse und brauchte Geld. So kam es, dass die Stuttgarter einen 964 Turbo Flachbau präsentierten.

Porsche 964 Turbo Flachbau, Porsche Klappscheinwerfer
Der Porsche 964 Turbo Flachbau ist zweifelsfrei der exklusivste Porsche mit Klappscheinwerfern.

Für 290.000 DM, also etwa 80.000 DM Aufpreis zum regulären Turbo, erhielt die Kundschaft einen Porsche 911 mit flachen Kotflügeln und den Scheinwerfern aus dem 968, geändertem Spoiler, Heckflügel, seitlichen Lufteinlässen und Leistungssteigerung auf 385 PS. Diese 76 gebauten Porsche 964 Turbo Flachbau – zehn davon für den japanischen Markt mit 944-Klappscheinwerfern – sind gewissermaßen der krönende Abschluss der Klappscheinwerfer-Ära im Hause Porsche. Danach gab es nie wieder ein Porsche-Modell mit den coolen, versenkbaren Frontscheinwerfern.

Sie gelten für viele als eine Art automobiler Inbegriff der 80er Jahre – die Klappscheinwerfer. Auch im Porsche-Kosmos nehmen sie eine besondere Stellung ein. Sie wurden vom Unterscheidungsmerkmal zwischen 914 und 911 zum coolen Motorsport-Teil und bilden eine Klammer vom Einstiegsmodell bis hin zum ultra-seltenen 964 Turbo Flachbau.

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