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Porsche 911 Slantnose – SOW 010, M505/506

23.02.2023 Von Richard Lindhorst
Porsche 911 Slantnose – SOW 010, M505/506

Vom Rennsport (oder Rennsport, in der Porsche-Terminologie) auf die Straße – oft mehr ein Diktum als eine wirkliche Absicht. Bei Porsche war das anders. Hier war der Rennsport sozusagen immer ein Mittel zum Zweck. Das war auch in den 1980er Jahren der Fall, als Porsche die so genannte „Slantnose“ in das damals neue Sonderwunschprogramm aufnahm. Zunächst als exklusiver Sonderwunsch, später sogar mit eigenem Optionscode. Aber wie kam es zu dem 911 Slantnose? Wie viele Porsche 911 Slantnose wurden gebaut? Wir nehmen Sie mit in das Archiv und suchen nach Hinweisen.

Der Porsche 911 Slantnose entstand durch eine Lücke im Reglement der Gruppe 5

Zunächst einmal müssen wir zurück in die wilden Jahre des Sportwagenrennsports reisen. Im Jahr 1976, mit der Einführung der neuen Gruppe 4, 5 und 6, witterte Porsche die Chance, mit dem 911 die Sportwagen-Weltmeisterschaft zu gewinnen. Auf der Basis des damals neuen Porsche 930 Turbo sollte ein Rennwagen entstehen. Beteiligt an der Entwicklung war ein junger Ingenieur, der auf den Namen Norbert Singer hört. Mit seinem Team nahm er sich schnell des Themas Aerodynamik an.

dp motorsport Porsche 911 Turbo Slantnose vor einem Unterstand mit einem Cesna-Gemälde
© RSC Automobile

In seinem Buch Porsche Rennsport 1970 – 2004beschreibt Singer, dass es ein Schlupfloch im Reglement der Gruppe 5 gab. Anhang J zum Technischen Reglement der FIA von 1976 regelte in Artikel 269 b) die möglichen Änderungen an der Karosserie. Singer hatte eine Idee – ihm schwebte eine stromlinienförmigere Frontpartie mit weniger Stirnfläche vor. Zu diesem Zweck versetzte sein Team die Scheinwerfer des Porsche 935 kurzerhand in die Frontschürze und ermöglichte so die Verwendung flacherer Kotflügel. Der Porsche 935 Slantnose war geboren.

Andere machten den 911 mit flachen Kotflügeln einigermaßen akzeptabel – Porsche folgte erst in den 80er Jahren

Im Rennsport erreichte der Slantnose 911 schnell Kultstatus. Vor allem die privat eingesetzten Kremer Racing Porsche 935 wurden zu Publikumslieblingen. Die Porsche 935 K2, 3 und 4, die ebenfalls von Kremer Racing für Kunden gebaut wurden, erzielten bis weit in die 1980er Jahre hinein beachtliche Rennerfolge. Unvergesslich zum Beispiel der Gesamtsieg in Le Mans im Jahr 1979.

Sportwagenrennen, darunter die Deutsche Rennsportmeisterschaft DRM, waren unglaublich beliebt. Kein Wunder, dass Porsche-Fahrer auch auf der Straße Rennerfolge erzielen wollten. Daher wuchs in den 70er und 80er Jahren das Interesse an Tuning und Fahrzeugindividualisierung, und unzählige Tuningfirmen waren auf dem Markt aktiv. Sei es RUF, Kremer, Strosek oder bb-Auto.

Und genau diese Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt. Rainer Buchmannhatte zum Beispiel schon Ende der 70er Jahre Umbausätze für den 911 mit einer vom 928 geliehenen Frontpartie. Wer das nötige Kleingeld hatte, konnte damals schon einen 911 Slantnose im Straßenverkehr fahren.

Es gab drei Generationen des Porsche 930 Slantnose

Ab 1980 war die Slantnose bei Porsche nur noch für handverlesene Kunden auf besonderen individuellen Wunsch erhältlich. Der Porsche 935 Street von Mansour Ojjeh ist sicherlich das bekannteste Fahrzeug. Ab 1981 war dieser „Karosserieumbau 911 Turbo/ 911 SC Turbolook flache Frontpartie“ offiziell beim Porsche-Kundendienst erhältlich. Diese 58 Fahrzeuge der ersten Generation des Porsche 911 Slantnose hatten keine aufklappbaren Scheinwerfer. Stattdessen waren die Scheinwerfer in die Frontschürze integriert – wie beim Rennwagen 935. Diese Slantnose Fahrzeuge der ersten Generation wurden bis 1983 gebaut.

1983 gab Porsche dem 911 Slantnose ein neues Gesicht. Sie verlegten die Scheinwerfer von der Frontschürze auf die Kotflügel. Der Sonderwunsch 911 verfügte nun über die bekannten Klappscheinwerfer des 924/944. Seine genaue Bezeichnung lautete „Slantnose mit Klappscheinwerfer und GFK-Frontspoiler mit mittlerem Ölkühler für 911 turbo und alle 911 turbo-look Varianten (M491)“. Ein Schnäppchen war der Rennsport-Look allerdings nicht: Der Umbau kostete damals über 38.000 DM. Zwischen 1983 und 1987 wurden 204 Exemplare der zweiten Generation des Porsche 911 Slantnose gebaut.

Wie viele Porsche 930 Slantnose M505/506 gab es?

In der dritten und letzten Generation des Porsche 930 Turbo änderte sich u.a. die Bezeichnung des Optionscodes. M505 waren die Porsche 930 Slantnose für den US-Markt. M506 war der Optionscode für den Rest der Welt. Hintergrund für die Unterscheidung: Der im Rest der Welt obligatorische Ölkühler in der Mitte der Frontschürze war in einigen US-Bundesstaaten nicht erlaubt. Aus diesem Grund trägt der Porsche 911 Slantnose M505 die Frontschürze des regulären 930 Turbo. Der zusätzliche Ölkühler wurde im hinteren rechten Kotflügel untergebracht.

Porsche 930 Turbo Slantnose mit aufklappbaren Scheinwerfern
Dieser Porsche 930 Turbo Slantnose M505 mit US-Spezifikation hatte die serienmäßige 930-Stoßstange, da der Ölkühler an die rechte hintere Seitenwand verlegt wurde. © RM Sotheby’s

Der Wechsel vom Sonderwunschprogramm zum regulären Optionscode hatte einen besonderen Grund. Die dritte Generation des 930 Slantnose (1987-1989) wurde nicht mehr nur auf besonderen Kundenwunsch angeboten. Stattdessen tauchten die Optionscodes M505/506 in den Preislisten der Porsche-Händler auf. So ist es nicht verwunderlich, dass der Porsche 930 Slantnose der letzten Generation am seltensten ist. Insgesamt wurden 630 Porsche 911 Turbo Slantnose M505 und 56 M506 produziert.

Ob SOW 010 oder M505, die Porsche 930 Turbo Slantnoses gehören zu den seltensten 911 Modellen

Der Slantnose ist sicherlich nicht jedermanns Liebling, manchmal polarisiert er sogar. Aber für echte Motorsportfans ist er eines der begehrtesten 911 Modelle überhaupt. Seine sehr geringe Produktionszahl – insgesamt wurden nur 948 Stück hergestellt – bedeutet auch, dass der Porsche 930 Turbo Flachbau einer der seltensten 911er ist. Da sie in der Regel auch sehr exklusive Innenausstattungen und Farben trugen, sind sie daher für Sammler sehr interessant geworden.

© Titelbild: RSC Automobile

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