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Aleksandr Markovsky und sein luftgekühlter Joker

04.02.2022 / Von Richard Lindhorst
Aleksandr Markovsky und sein luftgekühlter Joker

Wir vom Elferspot Magazin freuen uns, immer wieder mit Porsche begeisterten Menschen aus aller Welt darüber ins Gespräch zu kommen, was die Leidenschaft für Sportwagen aus dem Hause Porsche entfacht hat. Sind es doch oft genau diese Geschichten, die uns Enthusiasten miteinander verbinden und über die Jahre zu vielen Freundschaften führen. Diesmal habe ich mich mit Aleksandr Markovsky zum Elferspot Porsche Talk verabredet. Alex ist Fotograf und fährt einen Porsche 911 Carrera 3.2 WTL namens Joker. Neben Bentley und Lamborhini zählt auch Porsche zu seinen Kunden. Warum trotz Shootings bei Horacio Pagani persönlich noch immer Porsche den ersten Platz in seinem Herzen einnimmt und was die Firma RUF damit zu tun hat, erfahrt ihr jetzt!

Hi Alex, willkommen! Bei uns ist es guter Brauch, sich kurz selbst vorzustellen. Also, woher kommst du und wie fing das mit den Autos an?

Danke, Richard, das mache ich gern. Ich bin 29 Jahre alt, Fotograf für Lifestyle, Uhren und vor allem Autos. Ich komme gebürtig aus Moskau, stamme aus ganz normalen Verhältnissen. Um die Jahrtausendwende kam ich allmählich mit Autos in Berührung. Wie vermutlich die meisten Jungs unserer Generation habe ich mit Computerspielen den Zugang gefunden. Need for Speed: Porsche Unleashed hat es mir dabei besonders angetan. Natürlich haben auch Filme wie die Fast & Furious Reihe das Feuer geschürt. Alles, was mit Autos zu tun hatte, habe ich inhaliert. Heute lebe ich die meiste Zeit in der Schweiz. So bin ich nah an den Alpen und kann meine luftgekühlten Elfer am besten genießen!

Wie kamst du dann zur Fotografie? Moskau war in deiner Jugend vermutlich nicht der perfekte Standort für Carspotting.

Als Teenager, so mit 16/17 Jahren habe ich damit als Hobby begonnen. Für kleines Geld habe ich im Laufe der Zeit bessere Objektive gekauft und mich immer weiter in die Materie reingearbeitet. Es dauerte nicht lange, bis ich angesprochen wurde, ob ich nicht ein richtiges Shooting mit einem Auto machen will. Das habe ich natürlich sofort angenommen. Über Kontakte habe ich so immer mehr Fahrzeuge abgelichtet. Nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Videoproduktion bin ich schnell wieder zurück zur Fotografie gekommen. Zwar fotografiere ich auch Landschaften und Uhren, doch Autos sind meine wahre Passion. Heute arbeite ich zum Beispiel direkt mit Autoherstellern, unter anderem Porsche, zusammen und darf so die Welt bereisen. Viele meiner Klienten sind mittlerweile auch Freunde geworden. Ich habe ihnen extrem viel zu verdanken und sie ermöglichen mir auch, sehr besondere Autos zu fahren. Ohne diese Freundschaften wäre mir das vermutlich niemals möglich gewesen.

Welches war dein verrücktestes Shooting? Und wie ist es, für Porsche zu arbeiten?

Das Verrückteste war sicherlich, als ich für eine Werksbesichtigung bei Pagani zu Gast war. Horacio Pagani selbst war auch dort und ich fiel ihm wohl auf. Ich habe ihm dann erzählt, dass ich vor kurzem in der Nachbarschaft bei Lamborghini fotografiert habe und ihm die Fotos gezeigt. Er fand die Fotos gut und hat mich tags drauf eingeladen, seine ganz private Sammlung zu fotografieren.

Mein erster Job für Porsche war es, die Fotos für die Neuauflage des Porsche 935 Moby Dick zu machen. Ich war absolut beeindruckt, fast positiv schockiert, wie Porsche arbeitet. Wir waren in Portugal in einem Hotel. Uns wurde am Vorabend gesagt, wir sollten um 6 Uhr morgens in Richtung Portimao abfahren. In der Lobby und beim Frühstück waren insgesamt um die 200 Leute. Pünktlich um 05:59 Uhr standen alle, und zwar wirklich alle auf. Alle wussten genau, was sie zu tun hatten. Es war alles minutiös genau geplant. Diese Pünktlichkeit und Präzision hat mir wirklich imponiert. Es war vermutlich das am besten organisierte Shooting meines Lebens.

Welchen Einfluss hatte das auf dich? Fährst du deshalb mittlerweile Porsche oder gab es noch einen anderen Auslöser?

Es war sicherlich ein Faktor. Zu sehen, wie präzise Porsche arbeitet, gibt dir ein gutes Gefühl in Bezug auf die Autos. Und diese professionelle Arbeitsweise gefiel mir wirklich außerordentlich gut. Der Hauptgrund, wieso ich porscheinfiziert bin, geht allerdings auf die Firma RUF zurück. Über einen Freund hatte ich die Möglichkeit, bei einem privaten Event in der Firma teilzunehmen. Familie Ruf hatte eine Ausfahrt mit so ziemlich allen unterschiedlichen Modellen der Firmengeschichte organisiert. Allein die Besichtigung des Firmengeländes und der Hallen war faszinierend.

Das Schönste war jedoch die Verbindung zur Familie. Die Rufs sind extrem freundliche Leute und die Atmosphäre war fantastisch. Sie hatten uns sogar zu einem Familiendinner eingeladen und uns an ihren Geschichten teilhaben lassen. Es war sehr herzlich und fast so, als gehörte man mit zur Familie. Für mich war es überraschend und beeindruckend, wie eng Ruf und Porsche miteinander verbunden sind. Generell war die Zeit für mich wohl die prägendste im Berufsleben. Alle waren dort unheimlich freundlich, alle lieben Porsche, widmen der Marke ihr ganzes Leben. Und diese Passion hat dort auch auf mich abgefärbt. Ich liebe diese luftgekühlten Autos und auch die Leute, die sich mit ihnen beschäftigen.

Daraufhin hast du beschlossen, selbst einen Porsche 911 zu kaufen?

Das kann man so sagen. Als sich 2020 die Pandemie daran machte, unser aller Leben zu verändern, beschloss ich, mir einen luftgekühlten Porsche 911 zu kaufen. Ich hatte über verschiedene Kontakte nach einem passenden Auto gesucht. Ich wollte es restaurieren und nach meinen eigenen Wünschen umbauen. In Russland gibt es für klassische Porsche eigentlich keinen wirklichen Markt. Nach einigen Tagen hatte ich allerdings zumindest ein paar Angebote bekommen. Darunter war ein weißer Porsche 911 Carrera 3.2 WTL. Optisch in bemitleidenswertem Zustand, aber für eine Restauration war er gut genug. Den Wagen habe ich dann vom Fleck weg gekauft und mich an die Arbeit gemacht.

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Mit dem Joker wollte ich einen Porsche 911 Carrera 3.2 WTL erschaffen, der für mich fahrende Kunst darstellt. Wichtig ist mir aber, dass der Fokus auf dem Fahren liegt. Diese Autos müssen bewegt werden. Am besten auf leeren Passstraßen! Im April soll der Joker dann mitsamt einer passenden Uhr – einem Einzelstück von Konstantin Chaykin – und dem futuristischen Artwork als NFT versteigert werden.

Aleksandr Markovsky über die Motive zum Umbau seines Porsche 911 Carrera 3.2 WTL

Ich hatte die Idee, das Auto außen lila und innen grün zu machen. Die Inspiration dafür war die Batman-Figur des Jokers. Daher auch der Name. Wir haben das Auto komplett entlackt, und mit blankem Metall angefangen, meinen „neuen“ Porsche 911 Carrera 3.2 im Werksturbolook wieder aufzubauen. Insgesamt sind über 800 neue Teile verbaut worden. Motor, Bremse, Getriebe, Innenraum, alles wurde überholt. Bei Lack- und Lederfarben habe ich mich ein bisschen über die Porschegrenzen hinweg umgesehen. Der Lack ist eigentlich aus dem Lamborghiniregal. Den Innenraum habe ich im Stile von Porsche Exclusive gestalten wollen. So gut wie alle Flächen wurden mit Leder ausgekleidet, zum Beispiel auch die Lenkstockschalter.

Vor kurzem ging ein Video zu dem Auto viral, das wenig mit fahren zu tun hatte. Erzähl uns doch mal wie es dazu kam!

Ha, das war gegen Ende eines wirklich anstrengenden Drehtages. Wir waren mitten im Nirgendwo unterwegs, im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz. Mit meinem Team habe ich ein Video zum Joker produziert. Es ging den ganzen Tag hoch und runter, immer wieder. Die Straßen waren rutschig, also musste ich mich umso mehr konzentrieren. Als wir dann an einem ruhigen Spot auf einem Berg Pause machten, ging auch mein Kopf auf Standby. Ich stieg aus dem Auto aus, ohne Schlüssel, ohne Portemonnaie, ohne Jacke. Und dann fiel mir ein, dass meine Türgriffe nicht funktionieren und ich jetzt in Schwierigkeiten stecke. Es war schon spät, wir waren im Nirgendwo, also blieb nur die Option, in mein eigenes Auto einzubrechen. Ich habe dann gegooglet, welche Scheibe am günstigsten zu ersetzen ist und folgerichtig die hintere Seitenscheibe eingeschlagen. Mittlerweile ist aber alles wieder repariert.

So eine Geschichte schweißt mit dem Auto zusammen! Wo fährst du am liebsten? Und warum bevorzugt in einem Porsche?

Das ist gar nicht so sehr die Rennstrecke, sondern vielmehr Bergstraßen. Klar, gerade historische Strecken, wie der Nürburgring machen irre Spaß, aber Pässefahren am Abend, wenn die Touristen weg sind, ist schwer zu schlagen. Der Stelvio bei Nacht ist magisch! Aber auch der Großglockner gehört zu meinen Favoriten. Mittlerweile komme ich auf einige zehntausend Kilometer auf Serpentinenstrecken. Für Fotoshootings fahre ich oft die gleiche Strecke 10, 15 oder 20 mal hintereinander. Die Berge sind sozusagen mein zweites Zuhause. Die Rennstreckenaufenthalte sehe ich hingegen eher als Mittel zum Zweck. Dort kann ich meine eigenen Fähigkeiten nachschärfen. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen.

Das Wichtigste an einem Auto ist in meinen Augen die Balance. Es muss von allem die richtige Menge vorhanden sein, darf nicht zu viel sein. Es gibt Autos, die haben beispielsweise einen tollen Motor, sind aber zu schwer. Oder haben eine für die Straße unbrauchbare Getriebeübersetzung. Auch Feinheiten, wie der Lenk- und Pedalwiderstand sind wichtig. Erst, wenn all das wirklich harmonisch abgestimmt ist, hast du ein tolles Auto. Genau diese Harmonie bekommt eben kein Hersteller so gut hin wie Porsche.

Eine schöne Überleitung zu unsere traditionell letzten Frage. Welches ist dein Traumporsche? Mehrfachantwort ist erlaubt!

Mein absoluter Traum wäre der Porsche 993 GT2. Ich liebe die wuchtige Erscheinung und die dicken Kotflügelverbreiterungen. Deshalb wird mein nächster Umbau auch ein RWB-Porsche. Allerdings würde ich für die Passfahrten eher etwas mit Saugmotor bevorzugen. Und ein Schaltgetriebe ist sowieso Pflicht. Vermutlich würde meine Wahl da auf einen 964 Carrera RS oder einen 911 GT3 fallen.

Vielen Dank für das tolle Interview, Alex!

© Aleksandr Markovsky

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