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Der Bienert-Röhrl-SWB

Der Bienert-Röhrl-SWB

18.04.2018 / Von Markus Klimesch

Die generelle Begeisterung für Porsche Sportwagen wird bei Enthusiasten nochmals gesteigert, wenn Fahrzeuge in Verbindung mit großen Persönlichkeiten eine besondere Geschichte erzählen. Dieser blaue 911 SWB (kurzer Radstand) zählt definitiv zu dieser Kategorie und steht nun zum Verkauf.

Der Ur-Elfer

Ende der 1950er Jahre näherte sich der Porsche 356 unaufhaltsam der Grenze seiner Möglichkeiten. Entstanden als Ableitung des Volkswagens waren die Potenziale von Motor, Fahrwerk und Karosserie praktisch ausgeschöpft. Nach mehreren Vorüberlegungen – unter anderem zu einem Viersitzer – kristallisierte sich ein erstes Lastenheft für den Nachfolger des 356 heraus. Ferry Porsche ließ damals auf einem Wunschzettel notieren: „2-Sitzer mit 2 bequemen Notsitzen. Rückblickspiegel in Kotflügel einbeziehen. besserer Einstieg.“ Der Verkauf forderte gleichzeitig: „Bisherige Porsche-Linie beibehalten. Kein grundsätzlich neuer Wagen. Sportlicher Charakter.“ Die Marschrichtung war damit vorgegeben: Evolution statt Revolution. Das galt auch für die Technik. Das Antriebsprinzip mit dem Boxermotor im Heck sollte beibehalten, das Fahrwerks-Konzept modernisiert werden. 1963 wurde der Typ 901 schließlich der Welt auf der IAA Frankfurt/Main vorgestellt, 1965 begann die Auslieferung des auf 911 umbenannten Sportwagens. Der Rest ist Geschichte.

„2-Sitzer mit 2 bequemen Notsitzen. Rückblickspiegel in Kotflügel einbeziehen, besserer Einstieg.“ Notiz von Ferry Porsche

Der von uns hier vorgestellte Ur-Elfer stammt also re­t­ro­s­pek­tiv aus einem ganz besonderem Jahr. Er wurde 1965 in den USA ausgeliefert und hat somit die Bezeichnung „Urmodell“ tatsächlich verdient.

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

Zurück nach Deutschland 

In den 90er Jahren fand der Elfer seinen Weg zurück nach Deutschland und war nun für höhere Aufgaben bestimmt. Der FIA-Pass für historische Rennen war das erklärte Ziel und dafür wurde ein Team von Profis engagiert. Der renommierte Experte für historische Rallyeautos ,Oliver Bienert, übernahm den Aufbau und die Restauration, der Motorenprofi Manfred Rugen kümmerte sich um das Triebwerk. Dirigiert und überwacht wurde der ganze Prozeß von niemand Geringerem als Rallye Ikone Walter Röhrl. Röhrl übernahm die Rolle des Testfahrers, gab Tipps und entwickelte den Aufbau des Elfers mit. Ziel: Ein sehr leichter, wendiger Porsche mit richtig viel Dampf. Die vorliegende Dokumentation inklusive Rechnungen belegt eindrucksvoll, dass bei diesem Wagen weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Nachdem der nun modifizierte Elfer den FIA-Pass bekommen hatte, fuhr Walter Röhrl 1996 das erste Mal die Bavaria Historic (damals noch mit FIA-Wertung) damit.

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

Bienert Motorsport

Wie man historische Rallyeautos baut, weiß Oliver Bienert wie kaum ein anderer. Seine gebauten und betreuten Fahrzeuge waren äußert erfolgreich. 6-facher Europameister Rallye Historic, Gewinner Porsche 356 Cup, Meister und Vizemeister Porsche Classic Car Trophy, Gewinner Porsche 911 Cup Historic und dazu noch unzählige Klassen- und Rennsiege. Der Name Bienert steht bis heute für traditionelle Handwerkskunst in Verbindung mit innovativen Lösungen und zeitgenössischen Verbesserungen an historischen Porsche Sportwagen.

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

Walter Röhrl – Die Rallye Legende
Um Walter Röhrl als Rennfahrer zu beschreiben, lässt man am besten Experten über ihn urteilen. Niki Lauda nannte ihn einst „Genie auf Rädern“. In Italien wurde er schon vor längerer Zeit zum „Rallye-Fahrer des Jahrhunderts“ gewählt und eine Jury aus 100 Motorsport-Experten aus der ganzen Welt wählte ihn zum „besten Rallye-Fahrer aller Zeiten“. In Frankreich erkoren ihn seine Kollegen im November 2000 zum „Rallye-Fahrer des Millenniums“.  Zu seinen Qualitäten als Rennfahrer sollte somit alles gesagt sein.

„Wenn du den Baum siehst, in den du rein fährst, hast du untersteuern. Wenn du ihn nur hörst, hast du übersteuern“ Walter Röhrl

Walter Röhrl – Der Porsche Entwickler

Vor über 25 Jahren, im Jahr 1993, wurde vertraglich festgehalten, was für Röhrl und Porsche längst eine Herzensangelegenheit geworden war: Porsche engagierte den vierfachen Sieger der Rallye Monte Carlo und zweifachen Rallye-Weltmeister als Entwickler und Repräsentant. Walter Röhrl konnte 1993 bereits auf eine lebhafte Porsche-Vergangenheit zurückblicken. Sein erstes eigenes Auto war ein gebrauchter Porsche 356, danach fand sich stets ein Porsche 911 in seinem Privat-Besitz. 1977 ebnete ihm sein privater Rallye-911 den Weg zum Werks-Vertrag mit Fiat, 1981 startete Walter Röhrl auf einem Porsche 924 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft.

Rundstrecke

Zurück zum Fahrzeug. Nach seinen Rallye Einsätzen durfte der Elfer ein weiteres Rennsport Kapitell aufschlagen. Der neue Besitzer ließ den seltenen 65er für den Rundstreckensport umbauen. Der Motor wurde in die „Sprintversion“ versetzt und leistet satte 195 PS in einem Leistungsbereich von 6500 – 8000 U/min. Ideal für die historische GTM Meisterschaft.

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

Baustandänderung von Rundstrecke auf Rallye

Im Zuge des letzten Besitzerwechsels wurde im Jahr 2013 an dem Porsche nochmals Hand angelegt. Die schwer fahrbare Rundstrecken-Rennkonfiguration wurde in eine praktikablere Rallye-Konfiguration umgebaut. Diese Arbeiten erledigte der versierte Motorenbauer Matthias Höing. Höinig, der unter anderem in den 2000er-Jahren bei Porsches US-Werksrennabteilung die Motoren-Prüfstandversuche leitete, fokussiert mit seinem Hamburger Unternehmen Höinig Motoren  auf die Optimierung klassischer Porsche Sechszylinder-Triebwerke. Alle Teile, die im Zuge der Baustandänderung geändert wurden, wurden behalten und gehören zum Fahrzeug.

Leichtgewichts Boxer 

Leicht, wendig und schnell. Auf diese 3 Eigenschaften kann man das Konstruktionsziel der Experten reduzieren. Wie bereits weiter oben erwähnt, wurde für dieses Ziel ein großer Aufwand betrieben. Die Vorteile des kurzen Radstands (SWB) bezogen auf die Wendigkeit konnte man erst durch viele weitere Optimierungen wirklich erreichen. Wie seit jeher dreht sich im Rennsport neben dem Triebwerk alles um das Thema Gewichtsreduzierung. Selbstverständlich war auch beim Bienert-Röhrl-Elfer das Gewicht ein Thema. Motorgehäuse aus Aluminium, Plexiglas, Vollaluminium-Türen vom Porsche 959, gewichtsreduzierte Front- und Motorhaube, um nur ein paar der vielen Maßnahmen zu nennen. Am Ende wiegt dieser Traum von einem Rallye Wagen nur knapp über 900 kg und liefert ein Leistungsgewicht von 4,9 kg/PS.

„Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen“ Walter Röhrl

Fazit: 

Einzigartig in seiner Erscheinung, historisch bedeutend und technisch herausragend. Ein Bilderbuch Elfer mit Gänsehaut-Motorsound. Diese Beschreibung ist so gar nicht bescheiden aber definitiv auf den Punkt gebracht. Der zukünftige Besitzer kann sich auf ein automobiles Kunstwerk mit ausgeprägter Rennsport-Aura freuen. Aber das letzte Wort überlassen wir dem Großmeister: „Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen“ Walter Röhrl

Dieser Porsche 911 SWB steht zum Verkauf. Hier geht es zum >> Inserat.

 

Weitere Bilder:

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

Porsche Bienert-Röhrl-SWB

 

 

Copyright Bilder:
Fahrzeug: Markus Klimesch
Walter Röhrl Foto: Porsche AG
Historische Ausschnitte: beigestellt vom Eigentümer

Text: Markus Klimesch

 

 

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