Crème de la Kremer – 1969er 911S 2.0 Coupé
Als ich meinen 911S vom damaligen Präsidenten des deutschen Carrera-RS-Registers kaufte, ahnte ich nicht, auf welche Reise mich dieses Auto führen würde.
Als erster 911 mit langem Radstand und mechanischer 6-Stempel-Einspritzung ist dieses Übergangsmodell von 1968/69 ein Quantensprung. Dass er zuvor keinen Geringeren als den Kremer-Brüdern gehörte – dem erfolgreichsten privaten Porsche-Rennteam aller Zeiten – machte die Sache noch spezieller.
Doch würde es mir gelingen, Manfred Kremer aufzuspüren und ihn als „Kurator“ zu gewinnen?
Die Suche gestaltete sich schwerer als erwartet. Glücklicherweise kam mir das Early 911S Registry zu Hilfe. Ich postete einige Infos zu meinem Garagenfund, stellte ein paar Fragen und mehrere Mitglieder zeigten spontan freundliches Interesse. Wenig später kam der entscheidende Hinweis: Manfred Kremer lebe seit Längerem in Spanien. Mein Kontakt versprach, ihn zu erreichen und ihm meine Daten weiterzugeben.
Einige Wochen später klingelte mein Telefon — Manfred Kremer persönlich war dran. Er werde in einigen Wochen wieder in seine Heimatstadt zurückziehen und mich dann in Köln treffen. Wow!
Die Freundschaft, die daraus entstand, ließ mich die viele hundert Stunden vergessen, die ich bereits mit der Jagd nach Informationen, Teilen und Insiderwissen verbracht hatte. Manfred nahm mich mit zu Rennveranstaltungen und geheimen Fahrzeugsammlungen und stellte mich Persönlichkeiten vor, zu denen ich allein niemals Zugang gehabt hätte. Wir verbrachten viele Stunden in seiner Man Cave — einem ausgebauten Showroom mit Stellplatz in seinem Kölner Haus — umgeben von Fotos und Dokumenten, die ihn zusammen mit Ferry Porsche und Rennlegenden wie Klaus Ludwig oder Don und Bill Whittington zeigten (den Siegern der 24 Stunden von Le Mans 1979 im Kremer Porsche 935 K3).
Manfred war maßgeblich daran beteiligt, diesen 911S zu alter Größe zurückzubringen: Er wies mich in die richtige Richtung, half beim Aufspüren von Teilen und stellte den Kontakt zu Porsche Kremer Racing in Köln her, die unter anderem das originale Getriebe und den Motor vollumfänglich wiederaufbauten. Außerdem sorgte er dafür, dass mich eben jener Mechaniker betreute, der in den Sechzigern und Siebzigern Teil seines Rennteams gewesen war.
Wenige Wochen vor seinem unerwarteten Tod übergab mir Manfred die originalen Porsche-Kremer-Seitenaufkleber und einen der gelben Fensteraufkleber, die bei der Konkurrenz Schrecken und Respekt gleichermaßen auslösten. Er versprach auch, den Wagen zu signieren — doch dazu sollte es leider nicht mehr kommen.
Ich bin unendlich dankbar, Manfred Kremer kennengelernt und viele unvergessliche Momente mit ihm geteilt zu haben.
Weitere Eckdaten
Das Chassis, das ich erwarb, war bereits vom damaligen Präsidenten des deutschen Carrera-RS-Registers in über 1200 Stunden akribisch restauriert worden. Dennoch warteten deutlich mehr als 1200 weitere Stunden auf uns.
Viele Teile — nicht zuletzt Motor, Einspritzanlage und Getriebe (natürlich alles matching), Bremsanlage, Armaturen — wurden sorgfältig wiederaufgebaut, andere wurden durch NOS-Teile ersetzt (vom renommiertesten Händler für Oldtimer-Porsche-Teile in Deutschland). Kein einziges Nachbauteil wurde verbaut. Das war nicht gerade billig — ein Satz makelloser Bosch H1 Doppelscheinwerfer allein kostete an die 2.000 Euro. Aber Vorbesitz verpflichtet … Und der Aufwand hat sich definitiv gelohnt.
Grund für den Verkauf: Ich habe meinen Lebensmittelpunkt nach Südostasien verlegt und kann meine Porsche-Sammlung dort leider nicht legal importieren.
Bei Interesse an weiteren Informationen oder einem direkten Gespräch bitte ich um Kontaktaufnahme:
mike@BMPwriters.com
Das Fahrzeug steht sicher eingestellt in Düsseldorf.