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Graue Haare durch einen Porsche 993 GT2 Turbo

15.11.2022 / Von Richard Lindhorst
Graue Haare durch einen Porsche 993 GT2 Turbo

Als wildeste Iteration des Porsche 993 wird der GT2 gemeinhin mit Superlativen überhäuft. Angesichts der aggressiven Optik und der selbst heute noch beachtlichen Fahrleistungen ist das nicht verwunderlich. Doch nur die wenigsten unter uns Bewunderern haben eine Idee davon, was es eigentlich heißt, ein solches Auto zu erhalten. Ganz zu schweigen davon, es zu restaurieren. Und genau darüber gibt uns Sebastian Riedl, Inhaber und Geschäftsführer von Christian ABT Classic Auskunft. Wir sprechen darüber, warum der Zustand des Basisfahrzeugs so wichtig ist und warum ihm der 993 GT2 so manches graues Haar bescherte.

Sebastian, danke für die Einladung zu Christian ABT Classic! Wie kam es dazu, dass ihr einen Porsche 993 GT2 restauriert?

Herzlich willkommen! Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Wir als Christian ABT Classic haben uns auf den Aufbau und die Restauration luftgekühlter Porsches spezialisiert. Unser Technischer Leiter, Oliver Kulder, war bereits 1999 in der FIA-GT Meisterschaft für den Renneinsatz des Porsche 993 GT2 Turbo mit verantwortlich. Sie sind unser Steckenpferd, wenn du so willst. Ein Kunde hat uns kontaktiert und gesagt, er hätte da einen Porsche 993 GT2 in Aussicht und wir sprachen über die Möglichkeiten. Nach einigen Gesprächen und viel Recherche unsererseits erteilte er uns den Auftrag, ihn zu restaurieren.

Einen Porsche 993 GT2 restauriert niemand zum Spaß. Wie war der Zustand?

Eine der Grundregeln für eine gelungene und planbare Restauration ist ja, immer die beste verfügbare Basis zu wählen. Der Porsche 993 GT2 wurde insgesamt nur 193 Mal gebaut, davon nur 56 Fahrzeuge mit Straßenzulassung. Da ist die Auswahl natürlich gering. Erschwerend kommt hinzu, dass einige 993 GT2 auch im Rennsport, zum Beispiel in Le Mans zum Einsatz kamen.

Angefangen hat es also mit einer Karosse, einem Motor und einer ganzen Menge Kisten.

Sebastian Riedl, Geschäftsführer und Inhaber von Christian ABT Classic, über den Projektstart zur Restauration eines Porsche 993 GT2

Dieser Porsche 993 GT2 war alles andere als die beste Basis. Sein Zustand war schlicht desolat. Er stand teilzerlegt in einer Halle, hatte fast 140.000 Kilometer auf dem Tacho, keine Originalräder… Selbst der Motor war nicht mal im Auto! Angefangen hat es also mit einer Karosse, einem Motor und einer ganzen Menge Kisten.

Wie seid ihr diese Mammutaufgabe angegangen?

Zunächst mal haben wir mit dem Kunden sehr genau besprochen, wie das Fahrzeug am Ende aussehen soll. Er ist passionierter Sammler und hatte extrem genaue Vorstellungen. Somit waren die Grenzen und Ziele sehr schnell abgesteckt. Da das Auto einen sehr hohen emotionalen Stellenwert für ihn hat, war die persönliche Bedeutung für ihn eine starke Triebfeder für uns.

Nachdem der Auftrag klar war und das Auto ankam, fing die Arbeit damit an, zu sondieren, zu dokumentieren und zu sortieren. Schließlich war es auch für uns die erste Restauration eines Porsche 993 GT2. Zwar haben wir große Expertise beim 993 vorzuweisen, aber ein GT2 ist kein Carrera, für den man alle Teile oder Werkstattdokumentationen im Porsche Zentrum um die Ecke bekommt.

Es war klar, dass dieser Porsche 993 GT2 von Grund auf in Neuzustand, wo möglich sogar besser als Neuzustand gebracht werden sollte. Dort wo es ging, haben wir natürlich die Originalteile aufgearbeitet. Wo Ersatz nötig war, sollten nur Originalteile verwandt werden. Die Teilebeschaffung für ein so seltenes Fahrzeug ist eine Herausforderung für sich. Am Ende wurde aber wirklich – bis hin zum Schlüssel – alles neuwertig.

Für welchen Weg der Restauration habt ihr euch dann entschieden?

Durch den schlechten Karosseriezustand – Teile waren bereits angeschliffen – war ohnehin klar, dass wir das Auto bis auf die letzte Schraube zerlegen mussten. Also entschieden wir uns, den GT2 chemisch zu entlacken. So konnten wir das Blech von Grund auf wieder in Schuss bringen. Zuletzt wurde das Auto kathodisch tauchlackiert, also KTL-beschichtet. So ist das Auto für Jahrzehnte korrosionsgeschützt. Ein Upgrade zum Neuzustand.

Bei der Gelegenheit wurde logischerweise auch der gesamte Kabelbaum überprüft und wo nötig erneuert. Gleiches gilt für alle Fahrwerksteile und natürlich auch den Innenraum. Die Teppiche hatten sich teilweise gelöst, Sitze und Lenkrad waren in keinem guten Zustand. Es kamen einige hundert Arbeitsstunden in den Bereichen Blech, Lack und Sattlerei zusammen, ehe der GT2 in seiner Substanz komplett neuwertig war.

Gerade bei der Lackqualität kann ich sicher sagen, dass wir über Auslieferungsniveau liegen. Gleiches gilt für die Spaltmaße. Wo vorher noch Abweichungen von mehreren Millimetern über einen einzigen Karosseriespalt verliefen, ist jetzt alles gleichmäßig, das Erscheinungsbild makellos. Als Farbe wählte der Kunde das klassische Porsche schwarz metallic. Das gab es so beim 993 GT2 unseres Wissens nach nicht. Die Lackierung selbst ist auf absolutem Top-Niveau und verschlang über 30.000 Euro.

Aber die GT2-Restauration verlief doch sicher nicht immer reibungslos?!

Mitnichten! Der Motor bereitete uns einiges Kopfzerbrechen und mir eine ganze Menge graue Haare. Er war nicht komplett, viele Kleinteile fehlten. Der Rechercheaufwand war immens. Eine Besonderheit des Porsche 993 GT2 liegt darin, dass der Motorraum so voll ist, wie bei keinem anderen 911. Schon bevor der Motor eingebaut werden kann, müssen alle Kabel und Leitungen am finalen Platz sitzen. Bei eingebautem Motor ist schlicht kein Platz mehr für Anpassungen.

Insgesamt haben wir den Motor dreimal wieder ausbauen müssen. Besonders besorgt war ich, als der Motor nach einem ersten Start plötzlich ausging und nicht mehr als ein „Klack“ herauskam, als wir ihn wieder starten wollten. Ich hatte erst befürchtet, der Motor wäre festgegangen. Letztlich war es ein kleiner Defekt, keine 25 Cent Materialwert. Dieser Fehler allein warf uns eine Woche zurück. Ein anderes Mal lief der Öltank leer und der Motor stand ohne erkennbaren Grund voll Öl. Doch am Ende konnten wir durch unsere Expertise im Motorenbau alle technischen Probleme beheben. Der Motor läuft jetzt wie ein Uhrwerk.

Das klingt nach einem sehr lehrreichen Projekt. Gab es Stellen an dem ihr dem Porsche 993 GT2 Upgrades verpasst habt?

Lehrreich war es allemal. Ich gebe dir ein Beispiel von den Bremsen. Der Kunde wollte unbedingt gelbe Bremssättel, passend zu den Innenraumakzenten. Dazu wurden die Sättel pulverbeschichtet. Ein sehr wichtiger Prozess, denn wenn hier nicht sauber gearbeitet wird, hat man später ein Problem: Die Bremsflüssigkeit kann im Sattel kristallisieren und ihn damit aufsprengen. Auch die Adaption des ABS-Steuergerätes ist eine Wissenschaft für sich, für die wir externe Hilfe in Anspruch nehmen mussten.

Technisch haben wir nur an wenigen Stellen Veränderungen vorgenommen. Während wir den Motor ausschließlich mit Originalteilen komplett überholt haben, erhielt das Fahrwerk eine funktionale Anpassung. In Kooperation mit Bilstein haben wir Dämpfer in Originalspezifikation entwickelt und gebaut, deren Zugstufe von unten verstellbar ist. Bei den Originalteilen war das nur von oben möglich. Das macht kurzfristige Änderungen am Setup natürlich leichter.

Wie lange dauerte das Projekt insgesamt? Und wie war die Reaktion des Eigentümers, als er den fertigen GT2 gesehen hat?

Angefangen haben wir im August 2020, also hat der gesamte Prozess etwas über zwei Jahre gedauert. Wie vermutlich die meisten anderen Firmen auch, hatten wir mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Unser Kunde und Auftraggeber ist bei diesem Auto sehr emotional. Aber als ich ihm die ersten Bilder vom fertigen Auto geschickt habe, fehlten ihm die Worte. Viel mehr als einen Daumen hoch hat er im ersten Moment nicht herausbekommen.

© Christian ABT Classic / FP Capture

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