Stefan Bellof – „Das größte Talent, das ich je gesehen habe“

Stefan Bellof – „Das größte Talent, das ich je gesehen habe“

31.08.2019 / Von Richard Lindhorst

Bei seinen werkseigenen Renneinsätzen vertraute Porsche neben erfahrenen Rennfahrer immer auch in aufstrebende Talente, bildet heute sogar bewusst über den eigenen Bedarf Rennfahrer aus. „Porsches Beitrag für den Motorsport“, so Porsches ehemaliger Motorsportchef Frank-Steffen Walliser. Im goldenen Zeitalter der Sportwagen-Weltmeisterschaft, den 1980er Jahren, stach einer dabei ganz besonders hervor: Stefan Bellof. Wir blicken zurück auf eines der verheißungsvollsten deutschen Rennfahrertalente und gleichzeitig einen der erfolgreichsten Porsche Rennfahrer aller Zeiten.

Stefan Bellof wird Deutscher Kartmeister 1980, Porsche Werksfahrer ab 1983

Wie sein älterer Bruder Georg im Jahre 1978 wurde Stefan Bellof 1980 Deutscher Kartmeister. 1981 wurde er bereits Dritter in der Deutschen Formel 3 Meisterschaft und stieg 1982 in die Formel 2 auf. Dort gewann er seine ersten beiden Rennen auf Anhieb und belegte am Jahresende den vierten Gesamtrang. Bellof war somit auf dem Radar der Verantwortlichen bei Porsche angelangt und erhielt für die Sportwagen-Weltmeisterschaft 1983 ein Angebot vom Porsche Werksteam.

Stefan Bellof WSCC 1984 Fuji World Sports Car Championship

© Porsche AG

Der damals 25-jährige Gießener zeigte sein ganzes Talent schon zu Jahresbeginn. Bereits bei den ersten Einsätzen im Gruppe C Porsche 956 war Stefan Bellof der mit Abstand schnellste Fahrer im Porsche Aufgebot. Gemeinsam mit Teamkollege Derek Bell holte Stefan Bellof in Silverstone schon bei seinem ersten Sportwagenrennen den ersten Sieg mit über einer Minute Vorsprung. Seine Zeit im Qualifying war so gut, dass sie beim F1 Grand Prix im gleichen Jahr für den zwölften Startplatz gereicht hätte.

6:11.13 – Der legendäre Nordschleifen-Rekord

Beim darauffolgenden 1000 Kilometer Rennen auf der Nordschleife sollte Stefan Bellof einen nie für möglich gehaltenen Rekord aufstellen. Im Qualifikationstraining umrundete Bellof die 20,835 Kilometer lange Nordschleife in 6:11.13 Minuten. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von wahnwitzigen 202 km/h! Damit deklassierte Bellof den zweitplatzierten Jochen Mass um ganze fünf Sekunden. Dem amtierenden Formel 1 Weltmeister Keke Rosberg schenkte er sogar 30 Sekunden ein. Dieser Rekord hatte über 35 Jahre Bestand, bis Timo Bernhard im Porsche 919 Evo eine 5:19.55 auf den Asphalt brannte.

„So kann man doch kein 1000 km-Rennen fahren, irgendjemand vom Team hätte ihn einbremsen müssen!“ – Bellofs Teamkollege Derek Bell zu dessen Performance im Porsche 956 auf dem Nürburgring.

Im Rennen selbst schied das Duo Bellof/Bell aus, da Bellof in Führung liegend am Pflanzgarten abflog. Kurz davor setzte Bellof auch einen offiziellen Rundenrekord für die schellste Zeit im Rennen in 6:25.91 Minuten. Bei den 24h von Le Mans 1983 startete Bellof zusammen mit Jochen Mass. Deren Porsche 956 war einer von nur zwei Werksporsches, die bei Porsches Achtfachsieg nicht in den Top 10 landeten. Er schied mit Motorschaden in der Nacht aus. Es folgten ein zweiter Platz in Spa sowie Siege in Fuji und Kyalami. Die Saison beendete das Duo auf Gesamtrang vier.

1984 – Einstieg in die Formel 1 und WM-Titel bei den Sportwagen

Die herausragenden Leistungen von Stefan Bellof erregten natürlich das Interesse mehrerer Formel 1 Teams. Fast wäre Bellof sogar im dominanten McLaren TAG-Porsche gelandet. Trotz hervorragender Testfahrten war dort jedoch kein Platz für Bellof. McLaren ging mit der Fahrerpaarung Lauda/Prost an den Start und dominierte bis 1986 nach Belieben. Durch Bellofs Vertrag mit Porsche war auch der Weg zum amtierenden Weltmeisterteam Brabham-BMW versperrt.

Stefan Bellof 1983 Rothmans

© Porsche AG

Kurz vor Saisonbeginn heuerte Stefan Bellof beim Traditionsrennstall Tyrrell an. Dort musste er jedoch mit unterlegenem Material antreten. Tyrrell verfügte als eines der wenigen Teams nicht über einen Turbomotor und hatte somit einen erheblichen Leistungsnachteil. Trotzdem blitzte Bellofs Können immer wieder auf. Beim Großen Preis von Brasilien pflügte er zu Rennbeginn vom Ende der Startaufstellung durchs Feld. Kurz nachdem er sogar Lokalmatador Ayrton Senna überholte, schied er auf Platz 13 liegend mit gerissenem Gaszug aus.

Beim Großen Preis von Monaco 1984 ging Stefan Bellofs Stern so richtig auf

Seine Sternstunde in der Formel 1 hatte Porsche Werksfahrer Stefan Bellof beim sechsten Saisonlauf im Fürstentum Monaco. Im Qualifikationstraining sicherte sich Bellof den letzten der 20 Startplätze. Somit waren Größen wie Marc Surer, Martin Brundle und Eddie Cheever zum Zuschauen verdammt. Bellof fuhr im strömenden Regen wie entfesselt, fuhr zeitweise sogar schneller als Alain Prost und Ayrton Senna. Nach 31 Runden auf Platz 3 angekommen, im Begriff auf die vor ihm fahrenden Prost und Senna aufzuholen, wurde das Rennen abgebrochen.

 

© Imago / Norbert Schmidt

Es war die einzige Podestplatzierung eines Fahrzeugs mit Saugmotor der gesamten F1-Saison 1984. Später wurde Bellof dieser jedoch wieder genommen. Tyrrell wurde wegen Verstößen gegen das technische Reglement rückwirkend für die gesamte Saison disqualifiziert. Bellofs Leistung schmälerte das jedoch in keinster Weise. Zusammen mit Derek Bell errang Bellof, neben seinem F1-Engagement, die Sportwagen Weltmeisterschaft im Porsche 956 mit insgesamt sechs Saisonsiegen. In dieser Saison errang Porsche insgesamt zehn von elf möglichen Siegen in der WM.

Für Porsche Motorsport war 1985 ein Horror-Jahr

Zur neuen Saison kündigte Bellof seinen Werksvertrag mit Porsche auf. Trotzdem bestritt er neben der F1-Saison noch Sportwagenrennen für Porsches Kundenteam Brun Motorsport. Für Tyrrell holte Bellof vier Punkte aus den ersten 11 Saisonrennen und genauso viele Top-10 Resultate. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bellof übrigens bereits einen Vertrag mit Ferrari für die F1-Saison 1986 unterzeichnet.

Bellof Winkelhock together 1984

© Imago / Sven Simon

Als wäre der Verlust von Bellof als Werksfahrer für Porsche nicht schon schmerzhaft genug gewesen, nahm das Unheil im kanadischen Mosport seinen Lauf. Beim dortigen 1.000 Kilometer Rennen landete Manfred Winkelhock im Kremer Porsche 962 C in Runde 69 in der Streckenbegrenzung. Am Tag nach dem Rennen, dem 12. August 1985 erlag Manfred Winkelhock seinen schweren Kopfverletzungen. Die Ereignisse nahmen Stefan Bellof sichtlich mit.

Stefan Bellof Brun Porsche 962 Spa Francorhamps 1985

© Imago / Motorsport Images

Vor dem Start zu den 1.000 Kilometern von Spa sagte Bellof sogar, dass er am liebsten gar nicht fahren wolle. Doch Bellof wollte im Porsche 956B der Welt beweisen, dass er besser war als sein Rivale Jacky Ickx, der seinerseits im Rothmans Porsche 962C an den Start ging. Nach 77 Runden setzte der Deutsche zu einem Überholmanöver in der gefürchteten Eau Rouge Kurve an. Er wollte Ickx außen herum übertölpeln, in einer der schnellsten Kurven der Welt.

Stefan Bellofs wrecked Porsche 962 Brun fatal accident

© Imago / Motorsport Images

Wie schon einige Male in seiner Karriere, wurde Bellof sein Mut jedoch zum Verhängnis. Die Autos berührten sich, Bellof schlug hart in einen Betonpfeiler ein. Bereits vor Ankunft im Streckenhospital verstarb eines der größten Talente des Motorsports. Bei seinen 34 Renneinsätzen für Porsche gewann Stefan Bellof 16 mal, und fuhr auch 16 mal die schnellste Rennrunde. Stefan Bellof wurde nur 27 Jahre alt.

„Stefan Bellof ist das größte Talent, das ich je gesehen habe“ – Sir Jackie Stewart

„Vom Talent her und von dem, was er bisher gezeigt hat, ganz klar, keine Frage, einer der aller-aller-allerbesten“ – Hans-Joachim Stuck

In Gedenken an Stefan Bellof (* 20. November 1957 in Gießen; † 1. September 1985 in Stavelot, Belgien)

© Titelbild: Imago / Sven Simon

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