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Wie Porsche mit eFuels für den Erhalt des Verbrennungsmotors kämpft

Wie Porsche mit eFuels für den Erhalt des Verbrennungsmotors kämpft

08.04.2021 / Von Richard Lindhorst

Peak Oil ist in Anbetracht des boomenden Elektroautomarktes nicht mehr das bestimmende Thema. Stattdessen ist hier und da von Peak Petrol die Rede. Während viele Autohersteller die Abkehr vom Verbrennungsmotor teilweise schon für 2025 vorsehen, bleibt Porsche standhaft. Als einer der letzten großen Sportwagenhersteller bieten die Stuttgarter überhaupt noch traditionelle Saugmotoren an. Im gallischen Dorf Zuffenhausen soll der Verbrenner noch viele Jahre ein Thema bleiben. Und daher investiert Porsche viel Energie und Geld in die Erforschung synthetischer Kraftstoffe, sogenannter eFuels.

© Porsche AG

„Die Elektromobilität ist eine absolut begeisternde und überzeugende Technologie. Aber für sich allein genommen, bringt sie uns in Richtung Nachhaltigkeit weniger schnell voran, als wir vorankommen wollen.“

Porsche Entwicklungsvorstand Michael Steiner über die Motive zur eFuel Forschung

Trotz aller romantischen Gefühle für die bei der Explosion eines Luft-Kraftstoffgemischs entstehenden Geräusche: Porsche ist mitnichten ewiggestrig. Bereits im 19. Jahrhundert tüftelte Ferdinand Porsche an dem, was man heute als alternativen Antrieb bezeichnen würde. In der Wiener Kutschenfabrik von Ludwig Lohner entwickelte er um die Jahrhundertwende 1899/1900 den elektrischen Radnabenmotor. Dieser diente als Antrieb für den 1900 in Paris vorgestellten Lohner-Porsche. Doch damit nicht genug. Ferdinand Porsche entwickelte in Windeseile sogar noch eine Hybrid-Variante. Ein Verbrennungsmotor wurde als Generator für die Stromversorgung der Radnabenmotoren genutzt und im Lohner-Porsche Mixte an den Markt gebracht. Die Vorarbeit für die e-Hybrid Modelle und den Taycan hatte also bereits Ferdinand Porsche selbst erledigt.

Lohner Porsche first electric Porsche
Der Lohner Porsche mit elektrischem Radnaben-Allradantrieb © Jacob Lohner & Co

Elektroautos halten Verbrenner am Leben!

Nun ist es so, dass immer strenger werdende Abgasvorschriften und Messzyklen dazu führen, dass hochdrehende Saugmotoren ein Nischendasein fristen müssen. Sie können allerdings nur deshalb existieren, weil die Flottenverbräuche Porsches mit WLTP-optimierten Hybriden und Elektrofahrzeugen wie dem Taycan drastisch reduziert werden. Michael Steiner, Mitglied des Porsche Vorstands für Forschung und Entwicklung, sagt deshalb ganz klar, dass rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge bei Porsche höchste Priorität genießen.

Keine Angst, das bedeutet nicht, dass es gar keine Verbrenner mehr geben wird. Bei Porsche ist man davon überzeugt, dass Antriebskonzepte mit Verbrennungsmotor, Hybridlösungen und Elektroantriebe mittelfristig gemeinsam am Markt bestehen werden. Die Elektroautos dienen als Eintrittskarte für die emotionalen Sportwagen der GT-Abteilung. Und deshalb ist es für Porsche auch so wichtig, dass Verbrennungsmotoren und Elektroantriebe in friedlicher Koexistenz bestehen. Es geht nicht darum, eine Technologie durch die andere zu ersetzen.

Mit eFuels könnten Verbrennungsmotoren CO₂-neutral betrieben werden

Porsche hat bereits vor ein paar Jahren damit begonnen, sukzessive in Forschungsprojekte zu synthetischen Kraftstoffen zu investieren. Einerseits natürlich aus purem Selbstzweck, das kann man hier nicht leugnen. Schließlich lässt sich mit Ersatzteilen für bestehende Fahrzeuge gut verdienen. Also liegt es natürlich im ureigensten Interesse der Firma Porsche, dass die benzingetriebenen Modelle noch so lang wie möglich fahren können. Die flächendeckende Einführung von eFuels würde allerdings ein immanentes Problem lösen – die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Je geringer die ist, desto länger reichen die fossilen Reserven und desto besser fällt auch die Umweltbilanz von Verbrennungsmotoren aus.

eFuels bestehen im Wesentlichen aus Wasserstoff und CO₂. Letzteres lässt sich relativ leicht aus der Umgebungsluft gewinnen. Den benötigten Wasserstoff zu extrahieren, ist ungleich schwerer. Er wird durch die Zerlegung von Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gewonnen. Das geschieht in einem Elektrolyseverfahren, das große Mengen an Strom benötigt. Deshalb ist die Herstellung nur dort sinnvoll, wo es überschüssige, erneuerbare Energie gibt. Porsche setzt daher bei seinem Kooperationsprojekt mit Siemens und ExxonMobil auf einen Standort in Chile. Wasserstoff und CO2 werden dann kombiniert und ergeben synthetisches Methanol. Dieses Methanol wird wiederum in einem von ExxonMobil lizenzierten Verfahren zu Benzin umgewandelt.

Porsche beginnt 2022 mit der Erprobung im Porsche Mobil 1 Supercup

Technologietransfer aus dem Motorsport. Das hat bei Porsche unter anderem schon mit Turbomotoren und Hybridantrieben sehr gut funktioniert. Da lag es nahe, auch die Erprobung von eFuels direkt im Motorsport durchzuführen. 2021 wird in einem ersten Schritt zunächst ein Biokraftstoff genutzt, der hauptsächlich aus organischen Abfällen besteht. Für die Saison 2022 ist die Einführung der eFuels als Hauptbestandteil des Kraftstoffs im Porsche Super Cup vorgesehen. Derzeit wird von einer Reduktion der CO2 Emissionen in Größenordnungen von bis zu 85% über die gesamte Wertschöpfungskette ausgegangen. Auch in den Porsche Experience Centers sollen ab 2022 eFuels eingesetzt und getestet werden. Wenn diese Tests positiv verlaufen, wäre eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Marktreife von synthetisch hergestellten Kraftstoffen genommen. Der große Vorteil von eFuels liegt natürlich darin, dass das weltweite Tankstellennetz genutzt werden könnte. Anders als bei Elektroantrieben bedarf es keiner neuen Infrastruktur.

© Porsche AG

Naturgemäß ist die Produktion allerdings (noch) mit sehr hohen Kosten verbunden. Und auch der Wirkungsgrad von der Herstellung bis zur tatsächlichen Leistungsabgabe am Rad ist deutlich schlechter als bei reinen Elektroantrieben. Aber es wird noch Jahrzehnte dauern, bis elektrische Fahrzeuge den Großteil des Individualverkehrs ausmachen werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, eine Übergangstechnologie zu erforschen, die die Nutzung des Bestandes klimafreundlicher gestaltet. Wir dürfen gespannt sein, ob mittelfristig schon eFuels an den Tankstellen rund um den Globus erhältlich sein werden. Die Verträglichkeit soll übrigens nicht nur für moderne, sondern auch klassische Fahrzeuge gewährleistet sein!

Porsche eFuels may be available for your own Porsche sports car in the near future
© Porsche AG

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