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Zwei 911 WTL Cabriolets in L999-Sonderfarben – Ikonen unter sich

12.05.2026 Von Richard Lindhorst
Zwei 911 WTL Cabriolets in L999-Sonderfarben – Ikonen unter sich

Schon ein luftgekühltes 911 Cabrio mit Werks-Turbolook (WTL) ist ein Auto, das man nicht jeden Tag sieht. Wenn dann aber ein 1985er Porsche 911 Carrera 3.2 Cabriolet WTL in L999 Irisblau und ein 1992er Porsche 964 Carrera 2 Cabriolet WTL in L999 Zyclamrot gemeinsam auftauchen, lässt das vermutlich keinen Szene-Kenner kalt. Bei diesen beiden Cabrios stimmt jedes Detail.

Porsches Werksturbolook bot erstmals Turbobreite für Carrera-Fahrer

Für Außenstehende mag sich der Reiz der WTL-Modelle nicht auf den ersten Blick erschließen. Doch in den 80er und 90er Jahren war der 911 Turbo noch eine völlig andere Spezies als heute. Vielen war er zu extrem, in seiner Leistungsentfaltung zu explosiv. Doch gleichzeitig war sein Hüftschwung etwas ganz Besonderes. Die breitere Karosserie pointiert das klassische Elferdesign an den richtigen Stellen.

Die WTL-Modelle der 1980er und 1990er Jahre ermöglichten es 911 Carrera-Käufern, die breite Karosserie des Turbo zu genießen, ohne einen Turbo kaufen zu müssen. © Sammlung Leuba

Und für genau jene, die den Klang und das Ansprechverhalten des klassischen Saugers bevorzugen, aber nach der breiten Karosse lechzten, war Porsches Werksturbolook wie die Antwort auf ihre Gebete. Durch die Sonderausstattung M491 kamen Carrera-Käufer in den Genuss der breiteren Turbokarosse. Dass die Zielgruppe ausgesprochen spitz war, zeigen die Stückzahlen. Keine 1.700 911 Carrera 3.2 WTL Cabrios soll es gegeben haben, das 964 Carrera 2 WTL Cabrio ist mit gut 700 gebauten Exemplaren nochmals seltener.

Dieses Carrera 3.2 WTL Cabriolet ist ein Synonym für Eleganz

Wenn ein so seltener Wagen damals auch noch in einer Sonderfarbe mit dem Farbcode L999 bestellt wurde, lässt das die Herzen von Enthusiasten und Sammlern heute umso höher schlagen. Die Kombination des breiten G-Modells aus Irisblauem Lack und dunkelblauem Interieur und Verdeck könnte kaum geschmackvoller sein. Die Leichtigkeit der hellen Außenfarbe, die sich auch auf den Fuchs-Felgen wiederfindet, zieht unweigerlich in ihren Bann.

Dieses 911 Carrera 3.2 WTL Cabriolet besticht durch eine optische Harmonie, die etwas sehr Manufakturhaftes an sich hat. Dass die Farbgestaltung sich so stringent durchzieht, erzeugt eine farbliche Geschlossenheit, die ohne Effekthascherei ein unheimlich stimmiges Gesamtbild ergibt.

Kevin Dufournet, Leuba Collection

Das schöne Cabrio wurde ursprünglich in Großbritannien ausgeliefert – ungewöhnlich für einen Linkslenker. Beim späteren Schweizer Eigentümer wurde das Fahrzeug zwischen 2014 und 2016 – ausschließlich mit Porsche Originalteilen – mechanisch wieder in Bestzustand versetzt. Matching Numbers, weniger als 48.000 Kilometer und eine außergewöhnlich gute Dokumentation machen dieses Auto so zu einem idealen Sammlerobjekt.

Natürlich wäre es großartig, diese Sorte Fahrzeug regelmäßig auf der Straße zu sehen. Doch die Kombination aus WTL, L999, so niedriger Laufleistung und exzellentem Zustand ist nun mal etwas Unwiederbringliches. Selbst für gut kuratierte Museen und Ausstellungen wäre dieses WTL Cabrio ein ernstzunehmender Kandidat.

Das 964 Carrera 2 WTL Cabriolet geht einen etwas extrovertierteren Weg

Mit nochmals niedrigeren Stückzahlen ist das breite 964 Cabriolet selbst in der speziellen Porsche-Welt etwas herausragend seltenes. Dass der Schweizer Erstbesitzer sich für eine ohnehin schon überaus seltene Transaxle-Farbe namens Zyclamrot entschied, macht aus ihm möglicherweise ein Einzelstück. “Seine Seltenheit ist nicht nur numerischer Natur. Auch optisch und historisch ist er etwas ganz Besonderes. Schweizer Erstauslieferung, zwei Halter, matching Numbers, einhundertprozentige Originalität und eine lückenlose Historie ab dem ersten Tag machen ihn zu einer echten Perle”, so Kevin Dufournet von der Leuba Collection.

Mit zyklamroter Lackierung und kaschmirbeigem Leder ist dieses Porsche 964 WTL Cabriolet ein echtes Statement. © Leuba Kollektion

Verglichen mit dem irisblauen 3.2 ist dieses Porsche 964 WTL Cabrio etwas extrovertierter. Der starke Kontrast von Zyklamrot außen und Leder in Kaschmirbeige sorgt für eine besonders selbstbewusst nach außen getragene Individualität. Die toll erhaltenen Cup-Felgen geben ihm eine besonders sportliche Note. Diese besonders eigenständige Konfiguration macht aus dem ohnehin schon besonderen Cabriolet ein historisches Relikt. Ein solches Auto lässt sich nicht beliebig reproduzieren und steht als Solitär am Markt.

Mit Blick auf den Kilometerstand lässt sich erahnen, dass die beiden Halter ihre Freude an dem seltenen WTL hatten, ohne ihn zu verbrauchen. Seine Laufleistung von unter 133.000 Kilometern macht ihn für Fahrer und Sammler gleichermaßen interessant. Vielleicht sogar auch künftig als Duo mit dem Carrera 3.2 WTL?

Perfektion entsteht nicht durch Restauration, sondern durch Authentizität

Gute 30 bis 40 Jahre nach dem Bau dieser Autos hat Individualisierung eine andere Bedeutung in der Porsche-Welt. Autos mit Paint-to-Sample-Lackierung, also der modernen Form von L999, sind längst keine Seltenheit mehr. Doch in den 80er und 90er Jahren sah das noch ganz anders aus. Vermutlich wussten damals selbst in den Porsche Zentren nicht alle Verkäufer, welche Individualisierungsoptionen wirklich offenstanden.

Deshalb sind die exquisiten und eleganten Cabrios im breiten Kleid so besonders, so wenig alltäglich. “Was diese beiden WTL-Modelle wirklich besonders macht, ist nicht in erster Linie das, was sie hinter dem Steuer bieten, sondern das, was sie schon im Stand vermitteln”, betont Kevin Dufournet deshalb. “Sie repräsentieren genau das, was für uns bei sammlungswürdigen luftgekühlten Elfern zählt: Perfektion nicht durch Restauration, sondern durch Authentizität.”

Vielleicht ist es mit diesen beiden WTL-Cabrios wie mit großer impressionistischer Malerei. Auch ohne alle Hintergründe ihrer Entstehung zu kennen, spürt man sofort, dass hier etwas Besonderes vor einem steht. Wer aber weiß, was WTL, die seltenen Sonderfarben und diese Stückzahlen bedeuten, erkennt darin nicht nur zwei wunderschöne offene Elfer – sondern zwei sehr feine, sehr seltene Kompositionen die den Eindruck vermitteln, in ihrer Ära hätte handgefertigte Individualität in Zuffenhausen mehr bedeutet als Stückzahl oder Marge.

© Fotos: Leuba Collection

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