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Die Porsche Rennsport-Blutlinie – Alle 911 RS-Modelle auf einen Blick

05.05.2026 Von Richard Lindhorst
Die Porsche Rennsport-Blutlinie – Alle 911 RS-Modelle auf einen Blick

Es sind zwei Buchstaben, die grenzenlose Emotion auslösen: RS. Dieses Kürzel steht bei Porsche für Rennsport und ist seit 1972 den schärfsten straßenzugelassenen Modellen aus Zuffenhausen vorbehalten. Bis heute haben Porsche RS-Modelle nichts von ihrer Faszination verloren. Sie stehen sinnbildlich für puristischen Fahrspaß und außerordentliche Performance. Wir haben alle straßenzugelassenen Porsche 911 mit dem Rennsport-Kürzel im Namen für euch auf einen Blick zusammengefasst.

1972 – Porsche 911 Carrera RS 2.7 – Mit ihm fing alles an

Mit dem Gruppe-4-Homologationsmodell Porsche 911 Carrera RS 2.7 fing alles an. Porsche entwickelte aus einem 911 S 2.4 ein völlig neues Auto, das mehr Freiheit in der Rennentwicklung zuließ. Er war der erste 911 mit dem Beinamen Carrera und der erste mit über 200 PS, nämlich 210 aus dem 2,7 Liter großen Sechszylinder-Boxermotor. Außerdem war er der erste Elfer mit Mischbereifung – hinten 7J zu vorn 6J – und dem legendären Entenbürzel auf dem Heckdeckel. Statt ursprünglich geplanten 500 Stück verkaufte Porsche 1.580 Exemplare vom 911 Carrera RS 2.7 bis 1973.

1991 – Porsche 964 Carrera RS – Der Reiz des Verzichts

Abgesehen von den extrem seltenen Renn- bzw. Rallye-Versionen des 1974er Porsche 911 Carrera RS 3.0 auf G-Modell-Basis und dem Gruppe-B-Homologationsmodell 911 SC RS 1984 dauerte es bis 1991, ehe der nächste RS aus Zuffenhausen rollte. Der Porsche 964 Carrera RS war allerdings kein für Rennzwecke konzipiertes Modell. Stattdessen sollte er auf Basis des 964 Carrera 2 etwas Rennsport-Flair auf die Straße bringen. Durch zusätzliche Schweißpunkte bot die Karosserie mehr Steifigkeit, der nun 260 PS starke Antriebsstrang wurde unter anderem durch ein Einmassenschwungrad um sieben Kilogramm leichter. Dünnglas, Entfall der Servolenkung und viele weitere Kleinigkeiten sparten am Ende 130 Kilogramm gegenüber dem 964 Carrera 2.

Im warmen Zustand gab es bis 2500/min ein Getriebemahlen, das ein normaler Mensch als Defekt bezeichnen würde.

Roland Kussmaul zum Fahreindruck bei ersten Tests des Porsche 964 Carrera RS mit Einmassenschwungrad

Wie auch beim ersten RS gab es mehrere Ausstattungsvarianten. Neben der regulären Version ohne jeden Komfort gab es eine Touringversion mit Sportsitzen statt Schalensitzen sowie elektrischen Fensterhebern. Außerdem gab es noch den 964 Carrera RS N/GT als Sportwagen mit Straßenzulassung. Da es den regulären 964 Carrera RS nicht auf dem amerikanischen Markt gab, entwickelte Porsche außerdem den 964 Carrera RS America. Dabei handelte es sich im weitesten Sinne um einen Carrera 2 mit 17-Zoll-Cup-Rädern, strafferem Fahrwerk, starrem Heckspoiler und leicht angepasstem Interieur.

1993 – Porsche 964 Carrera RS 3.8 – Homologationsmodell für Le Mans

Porsches nächster Carrera RS war hingegen wieder ein echtes Homologationmodell. Der 964 Carrera RS 3.8 war mit dem klaren Ziel konstruiert worden, in der neu gegründeten GT-Kategorie den Kunden-Motorsport mit seriennahen Fahrzeugen anzukurbeln. Dazu kam die breite Karosserie des Turbo zum Einsatz. Im Heck des Leichtbau-Elfers mit Aluminiumtüren und -hauben sowie Dünnglasscheiben kam ein auf 3,8 Liter vergrößerter Saugmotor mit 300 PS zum Einsatz.

Der Porsche 964 Carrera RS 3.8 ist möglicherweise der kompromissloseste RS aller Zeiten.

Übrigens war der Porsche 964 Carrera RS 3.8 der erste Porsche mit einer Hubraumangabe auf den Endplatten des Heckflügels – bis heute ein Markenzeichen der sportlichsten 911-Modelle. Nur 56 Exemplare des 270 km/h schnellen RS 3.8 wurden 1993 gebaut. Mit einem Neupreis von 225.000 DM war er übrigens knapp 80.000 DM teurer als der reguläre 964 Carrera RS.

1995 – Porsche 993 Carrera RS – Der letzte 911 Carrera RS

Auch die letzte luftgekühlte Baureihe des 911 erhielt einen Ausnahmesportler mit RS im Namen. Der Porsche 993 Carrera RS kam 1995 auf den Markt und sollte der letzte 911 Carrera RS bleiben. Hubraum und Spitzenleistung entsprachen mit 3.746 ccm und 300 PS dem 964 Carrera RS 3.8. Porsche bot den 993 Carrera RS als Coupé und als Coupé mit Clubsport Paket an. Während das Coupé einen relativ flachen Spoiler, ähnlich dem des Turbo auf dem Heckdeckel hatte, erhielt die Clubsport-Variante markante Spoilerecken an der Front und einen feststehenden Heckflügel mit seitlichen Lufteinlässen.

Von insgesamt 1.014 produzierten Porsche 993 Carrera RS wurden nur 227 Stück mit dem Clubsport-Paket ausgeliefert.

Die generelle Auslegung des Porsche 993 Carrera RS war zivilisierter als noch beim Vorgänger. Das Fahrwerk war nicht ganz so hart wie im 964 und sogar die Servolenkung durfte an Bord bleiben. Erstmals bot der 993 RS außerdem ein Sechsgang-Schaltgetriebe, in den Clubsport-Modellen sogar mit nochmals kürzerer Übersetzung im 5. und 6. Gang als im regulären RS. Insgesamt baute Porsche 1.014 Stück, 227 davon waren Clubsport-Modelle.

2003 – Porsche 996.2 GT3 RS – Neuer Name, noch extremere Auslegung

Nach dem Facelift der ersten wassergekühlten 911-Generation kam auch das erste RS-Modell des neuen Jahrtausends auf den Markt – der Porsche 996.2 GT3 RS. Er basierte nicht mehr auf den Carrera-Modellen, sondern dem ohnehin bereits sehr sportlich ausgelegten 911 GT3. Abermals diente er als Homologationsfahrzeug für den Motorsport. Die ausschließlich in carraraweiß lackierten Fahrzeuge waren nur durch Folienschriftzüge mit der Aufschrift „911 GT3 RS“ in blau oder rot von außen individualisierbar.

Dieses Auto war so etwas wie mein Traum-Projekt.

Andreas Preuninger, Leiter GT-Abteilung

Während der Motor dem des GT3 entsprach, änderten die Weissacher Ingenieure zahlreiche Details an Fahrwerk und Karosserie. Die Front erhielt zusätzliche Kühlöffnungen und eine Spoilerlippe, der Kofferraumdeckel wurde aus Kohlefaser gefertigt und ein feststehender Heckflügel aus Sichtcarbon komplettierte den RS. Das Fahrwerk war in Sturz, Spur und Stabilisatoren einstellbar. Der 1.360 Kilogramm leichte 996 GT3 RS erreichte 100 km/h in 4,4 Sekunden und beschleunigte auf bis zu 306 km/h. Mit nur 682 gebauten Exemplaren zählt er außerdem zu den seltensten RS-Modellen.

2006 – Porsche 997.1 GT3 RS – Turbobreit zu noch mehr Popularität

Die zweite Generation Porsche 911 GT3 RS auf Basis des 997 setzte auf das bekannte Rezept: Noch leichter, noch roher, außerdem erstmals noch breiter. Denn im Gegensatz zum regulären 997 GT3 basierte der Porsche 997.1 GT3 RS auf der 44 Millimeter breiteren Karosserie der Allrad- und Turbomodelle. Für den Rennsporteinsatz erhielt der RS außerdem spezielle Radträger und Querlenker an der Hinterachse. Farblich gab es mit Schwarz, Arktissilber sowie den Sonderfarben Orange und Grün etwas mehr Auswahl als zuvor. Mit 1.909 Stück zeigte der 415 PS starke 997.1 GT3 RS die ansteigende Nachfrage nach besonders sportlichen 911-Ablegern.

2009 – Porsche 997.2 GT3 RS – Zentralverschluss-Felgen, Ground Effect und 8.500 U/min

Der nächste Porsche 911 GT3 RS basierte auf dem 997.2, also der Facelift-Version des 997. 2009 präsentierte Porsche das neue Modell mit nun 3,8 Litern Hubraum und einem Drehzahllimit von 8.500 U/min. Der 435 PS starke 997.2 GT3 RS trug diese Hubraumbezeichnung stolz auf den Endplatten des Carbon-Heckflügels, wie schon der legendäre 964 Carrera RS 3.8.

Dank seiner Titan-Auspuffanlage und Rädern mit Zentralverschluss war er nochmals näher am Rennsport als seine Vorgänger. Zum Beweis setzte Porsche bei den 24 Stunden vom Nürburgring 2010 einen serienmäßigen 997.2 GT3 RS ein und erreichte einen bemerkenswerten 13. Gesamtrang, ehe das Auto auf eigener Achse wieder zurück ins Porsche Museum fuhr. Bis 2012 entstanden insgesamt 1.619 Porsche 997.2 GT3 RS.

2010 – Porsche 997.2 GT2 RS – Supersportwagen neu definiert

Dieses Auto katapultierte den Porsche 911 endgültig in den Olymp der Supersportwagen – der Porsche 997.2 GT2 RS. Mit einem 620 PS starken 3,6-Liter-Mezger-Motor war er der bis dato stärkste Serien-Porsche aller Zeiten. Er distanzierte den 997 GT2 und auch den 997.2 Turbo S mit Direkteinspritzung und 0,2 Litern mehr Hubraum um satte 90 PS. Doch damit nicht genug: Wie extrem der GT2 RS wirklich war, offenbarte vor allem sein Gewicht. Trotz Bi-Turbo-Aufladung mit variabler Turbinengeometrie entsprach sein Leergewicht von 1.370 Kilogramm nämlich dem Gewicht des frei saugenden 997.2 GT3 RS. Der 510 mal gebaute, 330 km/h schnelle Porsche 997.2 GT2 RS zählt seit seiner Präsentation zu den begehrtesten Porsche-Modellen unter Sammlern und vollkommen zurecht Legendenstatus.

2011 – Porsche 997.2 GT3 RS 4.0 – Der letzte seiner Art

Mit dem Porsche 997.2 GT3 RS 4.0 legte Porsche ein weiteres RS-Modell auf 997-Basis auf. Er sollte der letzte 911 GT3 mit dem sogenannten Mezger-Motor werden. Aus 4,0 Litern Hubraum schöpfte er dank unglaublichen 9.000 U/min sage und schreibe 500 PS. Die Hubraumangabe im RS 4.0 Sticker auf der Tür kennzeichnet ihn als einen ganz besonderen Vertreter seiner Spezies. Bis heute gilt dieser letzte GT3 RS mit manuellem 6-Gang-Schaltgetriebe für viele als heiliger Gral. Offiziell auf 600 Stück limitiert, entstanden dem Vernehmen nach insgesamt 613 dieser Rennsport-Elfer.

2015 – Porsche 991.1 GT3 RS – Mit PDK und Direkteinspritzung in eine neue Zeitrechnung

„Der Rennwagen für Rundstrecke und Alltag“ – so titelte Porsche 2015 zur Präsentation des 991.1 GT3 RS. Mit ihm leitete Porsche gewissermaßen eine Zeitenwende im RS-Kosmos ein. Erstmals wurde ein Motor mit Direkteinspritzung eingesetzt. Das 4,0 Liter Aggregat erreichte 500 PS und ermöglichte in Kombination mit dem ebenfalls erstmals im RS genutzten 7-Gang-PDK neue Höhen bei den Fahrleistungen. Nur 3,3 Sekunden vergingen, ehe aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreicht war. Der vehemente Vortrieb endete erst bei 310 km/h. Die durch das PDK verbesserte Zugänglichkeit dürften den Absatzzahlen geholfen haben. Insgesamt sollen 4.500 Porsche 991.1 GT3 RS gebaut worden sein.

2017 – Porsche 991.2 GT2 RS – Dank 700 PS in 2,8 Sekunden auf Tempo 100!

Im Streben nach noch mehr Leistung und Performance stieß Porsche 2017 mit dem 991.2 GT2 RS in abermals höhere Sphären. Aus dem 3,8-Liter-DFI-Motor mit zwei Turboladern schöpften die Stuttgarter atemberaubende 700 PS. Diese Leistung katapultierte erstmals einen straßenzugelassenen Porsche 911 in unter drei Sekunden auf 100 km/h. Mit 340 km/h war er außerdem nochmals zehn km/h schneller als der 997.2 GT2 RS. Während es von Porsche direkt keine genauen Produktionszahlen für den 991.2 GT2 RS gibt, kursieren Größenordnungen von über 1.500 Stück in mehreren Quellen.

2018 – Porsche 991.2 GT3 RS – Letztmals klassische Elfer-Vorderachse, erstmals Otto-Partikelfilter (OPF)

Für das Facelift des Porsche 911 GT3 RS der Baureihe 991 kitzelten die Stuttgarter abermals mehr Leistung aus dem Hochdrehzahlaggregat. Der erst bei 9.000 U/min abregelnde 4,0-Liter-Saugmotor erreichte 520 PS. Die ersten Modelle bis zum Modellwechsel im September 2018 waren klanglich besonders spannend – sie hatten noch keinen Otto-Partikelfilter (OPF) im Abgasstrang verbaut und atmeten freier als die späteren Modelle. Insgesamt entstanden zwischen 4.500 und 5.000 Porsche 991.2 GT3 RS. Es handelt sich dabei um das letzte RS-Modell mit McPherson-Federbeinen vorn. Mit dem 992 kam der Schritt zur Doppelquerlenkerachse.

2022 – Porsche 992 GT3 RS – Aerodynamik über alles

Mit der Einführung des Porsche 992 GT3 RS transferierte die GT-Abteilung von Andreas Preuninger noch mehr Rennsport-Know-How auf die Straße. Während beim Motor aufgrund immer strenger werdender Abgasvorschriften ein mit fünf PS recht kleiner Leistungssprung möglich war, konzentrierten sich die Weissacher Ingenieure auf die Aerodynamik.

Die Kunden wollten es noch extremer!

Andreas Preuninger über die Hintergründe der Entwicklung des 992 GT3 RS

Durch einen Mittenkühler wie im 911 GT3 R und den Verzicht auf einen Kofferraum eröffneten sich neue Möglichkeiten im Bereich der aktiven Aerodynamik. Stufenlos aktiv verstellbare Elemente an Front und Heck sorgten für insgesamt 409 Kilogramm Abtrieb bei 200 km/h. Diese Werte lagen doppelt so hoch wie beim Vorgänger und dreimal so hoch, wie beim 992 GT3, auf dem der RS basierte. Noch gibt es keinerlei verlässliche Stückzahlen, doch es wird von nochmals höheren Zahlen ausgegangen, als beim Vorgänger. Das würde über 5.000 produzierte 992 GT3 RS bedeuten.

Es gibt sicherlich schnellere, teurere und lautere Autos. Doch Porsches RS-Modelle stehen seit über fünf Jahrzehnten für die beste Umsetzung des Konzepts „Rennwagen für die Straße“.

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