Zu den einflussreichsten Entwicklungen in der Welt der Sammlerfahrzeuge der letzten Jahre zählt der Aufstieg geschmackvoll modernisierter Klassiker mit hochwertigen, maßgeschneiderten Ausstattungen. Anstatt strikte Originalität anzustreben, hat sich eine ausgewählte Gruppe von Herstellern und Restaurierungsspezialisten einer spannenden Frage gewidmet: Was wäre aus den großartigsten Fahrerautos der Welt geworden, wenn die Entwicklung nie aufgehört hätte? Die besten Beispiele sind nicht bloß restaurierte Klassiker, die mit modernen Komponenten ausgestattet wurden, sondern sorgfältige Neuinterpretationen, die die Seele des Originals bewahren und gleichzeitig jeden messbaren Aspekt seiner Leistung verbessern. Diese Automobile, die in außergewöhnlich geringer Stückzahl gebaut werden und Tausende von Stunden an Ingenieurskunst und Handwerkskunst erfordern, haben sich als bedeutende Sammlerstücke etabliert und genießen ebenso große Bewunderung wie die Fahrzeuge, von denen sie inspiriert wurden.
Das vor über zwei Jahrzehnten von Simon Thornley und Wayne Kelham gegründete Unternehmen Thornley Kelham mit Sitz in Gloucestershire, England, machte sich zunächst durch preisgekrönte Restaurierungen einiger der bedeutendsten historischen Automobile Europas einen Namen. Doch anstatt sich ausschließlich auf die Erhaltung zu konzentrieren, strebte Thornley Kelham letztendlich danach, sein außergewöhnliches Fachwissen in die Schaffung eines Fahrzeugs einfließen zu lassen, das keinen zeitlichen Beschränkungen unterliegt.
Das Ergebnis war der European RS, eine außerordentlich ambitionierte Neuinterpretation des Porsche 911, inspiriert vom legendären Carrera RS 2.7 aus dem Jahr 1973. Nicht als Hommage, sondern als ultimativer Ausdruck des luftgekühlten 911 konzipiert, verbindet der European RS den urwüchsigen Charakter der frühesten Sportmodelle von Porsche mit moderner Technik und zeitgemäßem Fahrvergnügen.
Die Produktion wurde von Anfang an bewusst begrenzt: Thornley Kelham gab bekannt, dass zusätzlich zum Prototyp nicht mehr als 15 Kundenexemplare gebaut werden sollten, was eine Exklusivität gewährleistet, wie sie unter den heute renommiertesten Restomod-Herstellern selten zu finden ist. Jedes Fahrzeug erfordert fast 6.000 Stunden fachmännischer Handwerkskunst, bei der modernste Technik mit traditionellen Karosseriebau-Techniken kombiniert wird, die dem Unternehmen bedeutende internationale Auszeichnungen bei Concours d’Elegance eingebracht haben.
Unter dem Heckdeckel aus Kohlefaser des hier angebotenen europäischen RS verbirgt sich eine der begehrtesten Ausstattungsvarianten: der optionale 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Saugmotor. Entwickelt auf Basis der robusten 993-Motorarchitektur und umfassend überarbeitet mit aus dem Motorsport stammenden Innenteilen, CNC-gefrästen Zylinderköpfen aus Vollmaterial, maßgeschneiderten Nockenwellen, einzelnen Drosselklappen und einer leichten Abgasanlage aus Inconel und Titan, leistet der Motor laut Herstellerangaben 425 horsepower und dreht dabei bis zu außergewöhnlichen 9.000 rpm. Ergänzt wird das Fahrerlebnis durch ein G50-Getriebe mit enger Übersetzung, eine verkürzte Achsübersetzung und eine sorgfältig abgestimmte Fahrwerksdynamik, die die Präzision und das progressive Handling der aktuellen 911er-GT-Serie von Porsche widerspiegeln soll, während gleichzeitig das für die frühen Modelle typische analoge Fahrgefühl erhalten bleibt.
Die umfangreichen technischen Maßnahmen unter der Karosserie gehen Hand in Hand mit einem kompromisslosen Fokus auf Leichtbau. Ausgehend von einem Porsche 911 E aus dem Jahr 1972 wurde das Fahrwerk durchgehend nahtgeschweißt und verstärkt, bevor es mit Karosserieteilen aus Kohlefaser, Polycarbonat-Verglasung, geschmiedeten Leichtmetallrädern, Rennbremsen, Titan-Befestigungselementen und einer vom Motorsport inspirierten Federung ausgestattet wurde. Jedes Bauteil erfüllt einen Zweck, wobei die Gewichtsreduzierung nicht nur als Zahl in den technischen Daten angestrebt wird, sondern als Philosophie, die jeden Aspekt des dynamischen Charakters des Fahrzeugs beeinflusst.
Ebenso faszinierend ist die Präsentation dieses Exemplars. Die Lackierung in einem tiefen Blaugrün, das an Porsches legendäres „Aquamarine“ erinnert, bietet wunderschöne Highlights für die anmutigen Linien und zeitlosen Proportionen des frühen 911 und verleiht ihm zugleich eine imposante Präsenz. Die bronzefarbenen Außenverkleidungen bieten eine zeitgemäße Interpretation der klassischen Zierelemente des Modells und ergänzen den exquisit ausgestatteten Innenraum, der mit geschmeidigem Cognac-Leder und klassischen schwarz-weißen Pepita-Stoffeinlagen bezogen ist.
Während der Markt für die weltweit besten modernisierten Sammlerfahrzeuge weiter reift, zählt der European RS von Thornley Kelham zu den seltensten und durchdachtesten Interpretationen, die je geschaffen wurden. Für den anspruchsvollen Liebhaber, der den ultimativen Ausdruck des klassischen luftgekühlten 911 sucht – eines, das auf Bergstraßen, bei Grand-Touring-Reisen oder auf den Rasenflächen der weltweit führenden Concours-Veranstaltungen gleichermaßen für Nervenkitzel sorgt –, gibt es kaum eine verlockendere Gelegenheit als diesen außergewöhnlichen European RS.