Gerade als es so aussah, als sei ein Supersportwagen-Nachfolger für den 16 Jahre alten, weltbesten 959 unwahrscheinlicher denn je – nachdem Porsche 1999 sein Sportrennprogramm eingestellt und seine Motorsportingenieure dem Allzweckfahrzeug Cayenne zugewiesen hatte –, schockierte Porsche die Besucher des Pariser Autosalons 2000 mit einem Konzept namens „Carrera GT“. Was den Porsche-Rennsportfans nicht bekannt war: Der 5,5-Liter-V10-Motor des Konzepts, intern als „Typ 3512“ bezeichnet, hatte seinen Ursprung bereits in den frühen 1990er Jahren, als Porsche als Motorenlieferant in der Formel 1 tätig war.
Gleichzeitig gilt das legendäre Sportwagenprogramm von Porsche aus dieser Zeit als das dominierendste in der Geschichte der Marke: Das Gruppe-C-Programm – angeführt von der 956/962-Serie – errang von 1982 bis 1987 fünf Weltmeisterschaften in Folge in der Sportwagen-Weltmeisterschaft sowie sechs Gesamtsiege in Folge beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Das dreijährige 911-GT1-Programm verlängerte Porsches internationales Engagement im Sportwagenrennsport bis in die späten 1990er Jahre, bis zur Abschaffung der seriennahen GT1-Klasse und der zunehmenden Verbreitung spezieller Le-Mans-Prototypen (LMP) zur Jahrtausendwende.
Die Ingenieure in Zuffenhausen griffen den lange auf Eis gelegten „Typ 3512“-Motor wieder auf und trieben die Entwicklung eines Fahrzeugs der LMP900-Klasse mit der internen Bezeichnung „9R3“ voran, bei dem der nun 5,5 Liter große V10-Motor mittig verbaut war. Doch wie sein Vorgänger in der Formel 1 wurde auch das Projekt 9R3 abrupt eingestellt, nachdem lediglich ein fahrfähiger Prototyp gebaut worden war, der nie an den Start ging. Glücklicherweise hielt die Porsche-Serienabteilung den V10 für geeignet für das Mittelmotor-Konzept des Carrera GT, der 2003 mit einem Ziel von 1.500 Einheiten in Produktion ging.
Als Porsches Flaggschiff-Supersportwagen des Jahrzehnts war die Ausstattungsliste des Carrera GT äußerst knapp gehalten. Tatsächlich hieß es in der offiziellen Porsche-Preisliste: „Um das Fahrzeuggewicht für einen möglichen Renneinsatz zu minimieren, wird der Carrera GT serienmäßig ohne Klimaanlage und ohne Audiosystem ausgeliefert. Diese Ausstattungsmerkmale sowie alle weiteren Individualisierungsmöglichkeiten sind jedoch als kostenlose Optionen erhältlich.“ Ebenso streng war die Farbpalette des Carrera GT, bei der nur fünf Grundfarben zur Auswahl standen. Von den 1.270 für den weltweiten Markt produzierten Fahrzeugen wurden nur 80 Exemplare in der klassischen Farbe „Indischrot“ oder „Guards Red“ ausgewählt. Seit 1974 ein fester Bestandteil der Porsche-Serien- und Rennwagen, sind Carrera GTs in „Guards Red“ wie dieses Exemplar mit der Limitierungsnummer 1056 äußerst selten und machen nur 6,3 Prozent der weltweiten Produktion aus.
Dieses am 22. September 2005 für den deutschen Markt fertiggestellte Exemplar besticht nicht nur durch die seltenste und wohl attraktivste Serienfarbe des Carrera GT, „Indischrot“, sondern auch durch eine ebenso ansprechende dunkelgraue Lederausstattung. Zu den bei der Bestellung gewählten Sonderausstattungen gehörten „XT“-Schalensitze für Fahrer und Beifahrer, die die Sitzbreite um 15 mm vergrößern, ein Handschalter für die Klimaanlage sowie ein CD-Radio „Porsche Online Pro“ mit BOSE-Soundsystem.
Viele Carrera-GT-Besitzer entschieden sich dafür, ihren neuen Supersportwagen mit großem Pomp im neuen Porsche-Werk in Leipzig in Empfang zu nehmen. Der im Original-Wartungsheft verzeichnete Erstbesitzer tat genau dies bei der Auslieferung am 12. Oktober 2005. Ein erst im Mai 2026 vom Carrera-GT-Experten Jochen Bader erstellter 41-seitiger Bericht liegt zur Einsicht vor und verzeichnet vor dem Erwerb durch den Einlieferer lediglich vier deutsche Besitzer – der letzte davon besaß das Fahrzeug fast 15 Jahre lang und legte dabei nur rund 1.000 Kilometer zurück, während er den seltenen Porsche als Sammlerfahrzeug behandelte – und bestätigt, dass das Fahrzeug über seinen Originalmotor und sein Original-Getriebe sowie seine originale Lackierung in „Indischrot“ verfügt. Zahlreiche Stempel im Wartungsheft belegen regelmäßige Inspektionen, die zwischen 2009 und 2025 ausschließlich im Porsche Zentrum Stuttgart durchgeführt wurden, wobei die letzte Inspektion im April 2025 bei 20.353 Kilometern stattfand. Darüber hinaus wurde der Carrera GT im April 2025 im Porsche Zentrum Stuttgart im Rahmen der wichtigen APA3-Rückrufaktion für das Fahrwerk überholt, die auch eine Motorwartung und eine neue Batterie umfasste. Darüber hinaus verfügt dieser besondere Carrera GT noch über sein Werkzeug, den Centerlock-Steckschlüssel sowie einen Teilsatz des werkseitig gelieferten dunkelgrauen italienischen Gepäckgurtsets.
Mit seiner äußerst sammelwürdigen Ausstattung und seinem gut erhaltenen Zustand ist der Carrera GT mit der Nummer 1056 wohl nach wie vor das ultimative Sammlerstück unter den modernen Porsche-Modellen. Da es während der Konstruktions- und Produktionsphase kaum Eingriffe seitens der Führungsetage gab, ist der Carrera GT ein exquisites Beispiel für im Rennsport erprobte Technik, die auf der Straße zum Leben erweckt wurde. Der aus dem Motorsport stammende 605-PS-starke 5,7-Liter-V10 ist ein Präzisionsinstrument, das nicht nur einen selbstbewussten rechten Fuß erfordert, sondern auch die Fähigkeit, sein drehfreudiges Wesen richtig zu pflegen, um in Topform zu bleiben. Mit nur 20.423 Kilometern Laufleistung ab Neuzulassung zum Zeitpunkt der Katalogaufnahme, werkseitiger Lackierung in „Indischrot“, passendem Antriebsstrang, langjährigem deutschen Besitz, dokumentierten Porsche-Wartungen und einer kürzlich durchgeführten Fachinspektion, die seine außergewöhnliche Originalität bestätigt, stellt der Carrera GT mit der Nummer 1056 ein ungewöhnlich vollständiges und außergewöhnlich originales Exemplar von Porsches wegweisendem analogen Supersportwagen dar.
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