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Carpoint GT-K44: Dieser Shooting Brake denkt den Artz-Porsche neu

19.09.2026 Von Richard Lindhorst
Carpoint GT-K44: Dieser Shooting Brake denkt den Artz-Porsche neu

Mitte der 1980er Jahre fuhr Andreas Freund einige Monate lang einen ziemlich ungewöhnlichen Porsche: einen von Günter Artz zum Kombi umgebauten 924 Turbo. Dessen Erscheinung ließ den späteren Carpoint-Gründer auch Jahrzehnte danach nicht los. Weil seine Suche nach einem solchen Auto erfolglos blieb, entwickelte er gemeinsam mit Designer Michael Söhngen eine eigene Interpretation auf Basis des Porsche 944. Das Ergebnis heißt Carpoint GT-K44. Hinter seiner stimmigen Shooting-Brake-Silhouette stecken eine umfassend veränderte Dach- und Heckstruktur und Hunderte Stunden Karosserie- und Lackierarbeit.

Startschuss für das Projekt Carpoint GT-K44 war ein Geburtstagsgeschenk

Mit dem Umbau des 924 Turbo hatte der Hannoveraner Autoveredler Günter Artz in den frühen 1980er Jahren eine eigenwillige Variante des Transaxle-Porsche geschaffen. Das verlängerte Dach verlieh dem Sportwagen eine völlig neue Silhouette und zusätzlichen Platz fürs Gepäck. Andreas Freund nutzte den ungewöhnlichen Sportwagen damals regelmäßig für Wochenendfahrten an den Gardasee. „Ich bin mein Leben lang ein Kombi-Fan. Sportwagen und Kombi, das war meines“, erinnert er sich. Nachdem das Auto bei einer Auktion in Paris verkauft worden war, hielt der Gründer des Ersatzteilherstellers Carpoint über Jahrzehnte immer wieder nach einem solchen Exemplar Ausschau.

Anfang 2022 erzählte Freund seinem Designerfreund Michael Söhngen von seiner vergeblichen Suche und fragte ihn, ob sie nicht gemeinsam einen solchen Umbau realisieren könnten. Zum Geburtstag überraschte Söhngen ihn daraufhin mit einem Entwurf: ein 944 mit Kombiheck, in Oakgrün und mit Sitzen im Pascha-Muster. Diese Zeichnung brachte das Projekt schließlich ins Rollen. Freund gefiel der Entwurf so gut, dass Farbwahl und Sitzmuster ihren Weg in das erste fertige Auto fanden, einen zum Carpoint GT-K44 umgebauten 944 S2.

Für den GT-K44 wird die Dach- und Heckstruktur des Porsche 944 umfassend verändert

Der GT-K44 wirkt, als hätte die Shooting-Brake-Karosserie schon im Lastenheft des Porsche 944 gestanden. Wie viel Arbeit für diese stimmige Form notwendig ist, lässt sich am fertigen Auto kaum ablesen. Carpoint greift dafür tief in die Dach- und Heckstruktur des Transaxle-Porsche ein. Nicht nur die neue Dachstruktur musste integriert werden. „Die B-Säule und das hintere Seitenteil mussten wir anpassen, damit das Auto eine C-Säule und die großen hinteren Seitenscheiben bekommen konnte“, erklärt Freund. Die charakteristische Glaskuppel des Basisfahrzeugs weicht einem verlängerten Dach und der großen Heckklappe. Der neue Dachaufbau und die Heckklappe werden aus Blech gefertigt.

Carpoint GT-K44 - Shooting Brake auf Basis des Porsche 944
Um das neue Dach und die größeren Seitenscheiben zu ermöglichen, waren umfangreiche Eingriffe in die Dach- und Heckstruktur nötig. Auch das hintere Seitenteil passte Carpoint an.

Besonders weit reicht der Eingriff am Heck. Dort wird das originale Blech zwischen den Rückleuchten entfernt, um Platz für eine bis zur Stoßstange nach unten reichende Heckklappe zu schaffen. Diese greift zugleich etwa 40 Zentimeter in die Dachfläche hinein. „Beim Öffnen wird dadurch ein Teil des Laderaums auch von oben zugänglich, was das Einladen sperriger Gegenstände erleichtert“, sagt Freund. Auch die Rückleuchten werden für den GT-K44 angepasst. Die ursprünglich einteiligen Einheiten mit ihren sechs charakteristischen rechteckigen Feldern pro Seite werden asymmetrisch geteilt. Die beiden inneren Felder wandern als separate Reflektoreinheit in die Heckklappe, die übrigen vier bleiben an der Karosserie. Sämtliche aktiven Lichtfunktionen verbleiben damit außerhalb der Klappe.

Im Innenraum zieht die neue Karosserieform ebenfalls zahlreiche Änderungen nach sich. Ein neuer Dachhimmel und entsprechend angepasste Verkleidungen schaffen die Übergänge zur veränderten Dach- und Fensterlinie. Die Rücksitze bleiben erhalten. Bis alle Arbeiten abgeschlossen und die Oberflächen lackiert sind, fließen Hunderte Stunden Karosserie- und Lackierarbeit in jeden einzelnen GT-K44.

Oakgrün und Pascha prägen den ersten Carpoint GT-K44

Als Basis für das erste fertige Fahrzeug dient ein Porsche 944 S2 mit drei Litern Hubraum und 211 PS. Seine oakgrüne Lackierung und die Sitze im Pascha-Muster greifen Söhngens ursprünglichen Geburtstagsentwurf auf. Dazu kommen Details, die den klassischen Transaxle behutsam modernisieren: Die dritte Bremsleuchte ist in den Dachspoiler integriert, auf dem Dach sitzt eine moderne Radioantenne. Ein Heckwischer hält die neue Heckscheibe frei.

Auch der Name nimmt Bezug auf das Konzept. GT steht für Gran Turismo, K44 verbindet die Kombikarosserie mit der verkürzten Modellbezeichnung des Basisfahrzeugs. Die Wahl des S2 für das Präsentationsfahrzeug ist dabei nicht bindend. Für Kundenumbauten kommen ebenso andere 944-Coupés infrage, vom frühen Sauger mit 163 PS bis zum Turbo S. So lässt sich bereits mit der Wahl des Basisfahrzeugs festlegen, welchen Charakter der eigene GT-K44 bekommen soll.

Carpoint GT-K44 - Shooting Brake auf Basis des Porsche 944
Im Dachspoiler ist eine dritte Bremsleuchte integriert, die moderne Antenne auf dem Dach sorgt für guten Radioempfang und der Heckwischer für besten Durchblick auch bei Regen.

Carpoint bringt jahrzehntelange Erfahrung im Karosseriebau mit

Welcher 944 auch als Basis dient, die Verwandlung zum GT-K44 verlangt Erfahrung mit klassischer Fahrzeugsubstanz und der Fertigung passender Bauteile. Bei Carpoint gehört beides seit Jahrzehnten zum Geschäft. Das Unternehmen restauriert seit den 1980er Jahren klassische Porsche und englische Sportwagen. Dabei entstanden auch Sonderanfertigungen wie ein Austin-Healey 3000 Mk II, den Carpoint in den 1990er Jahren für einen Münchner Architekten zum Kombi umbaute.

Aus der Restaurierung entwickelte sich auch die eigene Ersatzteilproduktion. Fehlende Komponenten für frühe Porsche veranlassten Freund dazu, Teile nachfertigen zu lassen. „Inzwischen umfasst unser Programm rund 2.000 verschiedene Ersatzteile aus eigener Fertigung“, berichtet Freund stolz. Für den GT-K44 konnten Freund und Söhngen damit auf Erfahrung zurückgreifen, die vom Erhalt klassischer Fahrzeuge bis zum individuellen Karosserieumbau reicht.

Der Umbau zum Carpoint GT-K44 kostet mindestens 100.000 Euro

Wer seinen eigenen GT-K44 in Auftrag geben möchte, muss zunächst ein Basisfahrzeug mitbringen, idealerweise bereits in der gewünschten Farbe. Danach bespricht Andreas Freund jeden einzelnen Umbau individuell. Die umfangreichen Karosseriearbeiten samt Lackierung der umgebauten Bereiche, die Anpassung der Leuchten und Innenverkleidungen, ein neuer Dachhimmel sowie sämtliche erforderlichen Eintragungen beim TÜV sind Standard. Die reinen Umbaukosten zum Shooting Brake betragen dabei 100.000 Euro exkl. MwSt.

Carpoint GT-K44 - Shooting Brake auf Basis des Porsche 944

Wir kriegen ihn nicht zum Fliegen, aber alles andere geht.

Andreas Freund, Carpoint

Wie weit die Arbeiten über den eigentlichen Shooting-Brake-Umbau hinausgehen, entscheidet der Kunde. Innenausstattung, Räder und Fahrwerk lassen sich ebenfalls nach persönlichen Vorstellungen gestalten. Entsprechend hängt die Bauzeit vom Umfang des Auftrags ab. Andreas Freund fasst die Möglichkeiten gewohnt unkonventionell zusammen: „Wir kriegen ihn nicht zum Fliegen, aber alles andere geht.“

Premiere beim Transaxle-Jubiläum am Nürburgring

Am Samstag, dem 19. September 2026, stellt Carpoint den GT-K44 beim Transaxle-Jubiläum im Rahmen des ADAC-1000-km-Rennwochenendes am Nürburgring vor. Andreas Freund und Michael Söhngen präsentieren den Shooting Brake in einer Box im historischen Fahrerlager. Anschließend ist eine Fahrt auf der Strecke vorgesehen.

Rund vier Jahrzehnte nach seinen Fahrten im Artz-Porsche hat Freund damit wieder einen Transaxle mit Kombiheck. Diesmal trägt das Auto seine eigenen Vorstellungen und Söhngens gestalterische Handschrift. Carpoint plant eine Kleinserie von zehn Fahrzeugen, die nach Kundenwunsch entstehen sollen. Dank der umklappbaren Rücksitzbank und der weit bis ins Dach reichenden Ladeöffnung dürfte der GT-K44 dabei gute Chancen auf den Titel des praktischsten Transaxle-Porsche der Welt haben.

Carpoints GT-K44 führt die Idee des Artz-Porsche weiter

Porsche liebäugelte schon vor Jahrzehnten mit sportlichen Kombikarosserien, doch erst der Panamera Sport Turismo brachte die Idee in Serie. Ein klassischer zweitüriger Shooting Brake blieb dabei Wunschdenken. Genau dieses selten gewordene Konzept greift Andreas Freund mit dem GT-K44 auf. Mit seiner Neuinterpretation des Artz-Porsche hat er gewissermaßen nebenbei einen der coolsten Transaxle geschaffen, die man mit Geld kaufen kann.

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