In der Porsche-Welt geht es oft um Investitionen, Wertzuwachs und Auktionsrekorde. Wenn wir uns jedoch auf die Ursprünge der Marke zurückbesinnen, waren Sportwagen aus Zuffenhausen im internationalen Vergleich für etwas ganz anderes bekannt: Sie waren wirtschaftlich, im internationalen Vergleich fast schon vernünftig. Deshalb widmen wir uns der Frage, die gerade Erstkäufer und Szeneeinsteiger beschäftigt, wie kaum eine andere: Welche Porsche sind denn noch günstig – nicht in der Anschaffung, sondern auf Dauer? Wir liefern euch ein paar Beispiele unterschiedlicher Generationen von Zuffenhausener Sportwagen, deren Unterhaltskosten einem nicht die Tränen in die Augen treiben.
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gleichung
Natürlich ist kein Porsche wirklich günstig. So viel ist klar. Doch angenommen, der Lebenstraum rückt in greifbare Nähe und man kann sich einen Porsche leisten. Welche Modelle wären über fünf Jahre mit jeweils 5.000 Kilometern Jahresfahrleistung bei üblichem Nutzungsprofil ohne Trackdays zu empfehlen? Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wir vergleichen dazu die Preise für Steuern, Versicherung, Reifen, Sprit und Wartung bei einem in Deutschland zugelassenen Auto. Dabei gehen wir immer von einem Fahrzeug mit frischer großer Wartung aus. Außerdem rechnen wir jeweils einen vollständigen Satz Bremsscheiben und -beläge sowie Reifen mit ein.
Was sich schwerer kalkulieren lässt, ist das Risiko für bestimmte Defekte. Schließlich variieren die Kosten mitunter extrem. Ein neuer Motor für einen 911 GT3 ist logischerweise erheblich teurer als für einen 914. Und während bei einem Fahrzeug mal eine Lichtmaschine ausgetauscht werden muss, geht am anderen der Klimakompressor kaputt. Deshalb lässt sich der Punkt „Reserve für Unvorhergesehenes“ natürlich nur näherungsweise bestimmen, darf aber in der Gesamtbetrachtung nicht vergessen werden.
Der billigste Porsche ist selten der günstigste
Ein niedriger Kaufpreis ist immer verlockend. Doch das günstigste Fahrzeug eines bestimmten Modells zu kaufen, kann auf lange Sicht mit höheren Kosten enden. Nehmen wir beispielsweise einen sehr günstigen Porsche 986 Boxster mit abgefahrenen oder alten Reifen, verschlissenem Fahrwerk und unklarer Wartungshistorie. Falls eine Fahrwerksrevision, neue Kühler und vielleicht eine neue Kupplung und Kurbelwellendichtring nötig werden, kann es schnell so teuer werden, dass am Ende sogar ein gut gewarteter Boxster der Nachfolgegeneration 987 günstiger gewesen wäre.
Disclaimer: Die Analyse der laufenden Kosten dieser Modelle ist nur ein Richtwert. Die tatsächlichen Kosten können – je nach individuellem Fahrzeug, der jeweiligen Region und der persönlichen Voraussetzungen – deutlich variieren. Doch die Kalkulationen ermöglichen einen ungefähren Vergleich zwischen den verschiedenen Modellen.
Umgekehrt kann ein auf den ersten Blick recht hochpreisiger Klassiker erstaunlich gut abschneiden. Ein frisch restaurierter, beziehungsweise überholter luftgekühlter Elfer hat zwar einen hohen Einstiegspreis, aber die größten Kostenfallen sind bereits ausgeräumt. Mit Blick auf Steuervergünstigungen und spezielle Versicherungstarife für Klassiker sowie relativ günstige Reifenformate sind Oldtimer oft günstiger im Unterhalt als moderne 911.
Nahe liegende Wahl für günstiges Porsche-Fahren: Der Porsche 986 Boxster
Ein leichter Roadster mit, Sechszylinder-Boxermotor in der Mitte, tollem Fahrwerk und genialer Klangkulisse für 20.000 Euro. Klingt nach echtem Schnäppchen und kann auch eines sein. Doch im niedrigen Einstandspreis steckt auch eine gewisse Gefahr. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Gerade 911 G-Modelle, die Anfang des Jahrtausends extrem günstig waren, gerieten deshalb oft an Eigentümer, die sich zwar den Kaufpreis, nicht aber den artgerechten Unterhalt leisten konnten.
So ist es auch beim Porsche Boxster der ersten Generation. Deshalb muss man hier besonders auf die neuralgischen Stellen achten: Zwischenwellenlager, Kühler, Wasserpumpe, Ölabscheider, Klimakondensatoren, Fahrwerk oder auch mal eine durchgerostete Abgasanlage. Entscheidend ist ein nachvollziehbarer und guter Wartungszustand. Falls diese Punkte noch nicht erledigt wurden, sollte man etwas Risikopuffer bereithalten. 3.500 bis 5.000 Euro sollten es sicherheitshalber sein. Mit Wertverlust ist hingegen eher nicht zu rechnen, sofern die Kilometer im Rahmen bleiben. Seit einigen Jahren entwickeln sich die Marktpreise leicht steigend.
Porsche 986 Boxster – Laufende Kosten
Kostenblock
Kosten über 5 Jahre
Wartung
4.500–6.500 €
Reifen
700–1.000 €
Bremsen
700–1.500 €
Steuer
1.300–1.600 €
Versicherung
2.500–4.500 €
Kraftstoff
5.500–6.100 €
Reparaturpuffer
3.500–5.500 €
Summe
18.700–26.700 €
Kosten pro Jahr
ca. 3.740–5.340 €
Kosten pro Kilometer
ca. 0,75–1,07 €/km
Beispielrechnung für ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug inkl. einem Satz Reifen sowie einem Satz Bremsscheiben und -beläge.
Die laufenden Kosten sind ebenfalls vergleichsweise überschaubar. Die Versicherungseinstufung ist günstig. Zum Vergleich: VW Golf und Polo sind zumeist gleichauf oder gar teurer. Pro Jahr werden im Schnitt etwa 900 bis 1.300 Euro für die regelmäßige Wartung fällig. Auch Reifen sind in den üblichen 16- bis 18-Zoll-Dimensionen kein extremer Kostentreiber. Selbst die Verbrauchswerte mit knapp unter 10 Litern pro 100 Kilometern gehen noch in Ordnung. Der erste Boxster ist damit nicht nur günstig im Kauf, sondern auch im Unterhalt – sofern Zustand und Wartung passen.
Transaxle-Porsche sind noch immer eine vernünftige Wahl: Porsche 944 S2
Sie waren schon immer eher „vernünftige“ Sportwagen und sind es selbst nach mindestens drei Jahrzehnten immer noch. Die Rede ist natürlich von Porsches Transaxle-Modellen mit Vierzylinder-Motoren. Besonders der Porsche 944 S2 gilt nach wie vor als ausgesprochen nutzbarer Sportwagen mit flotten Fahrleistungen und ausreichend Komfort.
Doch auch wirtschaftlich gesehen ist der letzte Porsche 944 eine gute Wahl. Seine technische Robustheit bescherte ihm zurecht den Ruf als zuverlässiger Dauerläufer. Sofern sich ein top gepflegtes Modell mit frischer großer Wartung inklusive Zahnriemenwechsel findet, kann man in einem 944 S2 überraschend günstig Porsche fahren.
Denn mit Ausnahme des teuren, alle fünf Jahre fälligen Riemenwechsels gibt es recht wenig große Positionen im Serviceplan. Zwar hatte auch er häufig mit etwas zu knauserigen Vorbesitzern zu kämpfen, die das Thema Wartung vernachlässigt haben, doch mittlerweile hat sich die Spreu bereits vom Weizen getrennt.
Die Einstufung als historisches Fahrzeug macht ihn günstig in Steuer und Versicherung. Die übrigen laufenden Kosten liegen mehr oder minder auf dem Niveau des Boxster. Die serienmäßigen 16-Zoll-Räder haben den angenehmen Nebeneffekt, dass selbst Sportreifen namhafter Hersteller für deutlich unter 200 Euro pro Stück zu bekommen sind. All das macht den 944 S2 zu einem der preiswerteren Freudenspender aus Zuffenhausen.
Porsche 944 S2 – Laufende Kosten
Kostenblock
Kosten über 5 Jahre
Wartung
5.500–8.000 €
Reifen
700–1.000 €
Bremsen
700–1.500 €
Steuer
ca. 960 €
Versicherung
2.000–4.000 €
Kraftstoff
4.750–5.250 €
Reparaturpuffer
3.500–5.500 €
Summe
18.110–26.210 €
Kosten pro Jahr
ca. 3.620–5.240 €
Kosten pro Kilometer
ca. 0,72–1,05 €/km
Beispielrechnung für ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug inkl. einem Satz Reifen sowie einem Satz Bremsscheiben und -beläge.
Unter den luftgekühlten Elfern gilt der Porsche 911 Carrera 3.2 als zuverlässig und verhältnismäßig wirtschaftlich
Nachdem wir zwei der „erschwinglicheren“ Porsche-Sportwagen beleuchtet haben, richten wir den Blick auf die luftgekühlten 911. Denn trotz Kaufpreisen auf mittlerweile sehr hohem Niveau, sind bestimmte Modelle ausgesprochen robust und pro Kilometer überraschend wirtschaftlich. Exemplarisch steht dafür vor allem der Porsche 911 Carrera 3.2. Die späten G-Modelle der Modelljahre 1984 bis 1989 sind in gutem Wartungszustand eine echte Bank.
Als Klassiker sind Kfz-Steuer und Versicherung auf niedrigem Niveau. Bremsscheiben, -beläge und Reifen bewegen sich ebenfalls in leistbaren Größenordnungen. Der Aufpreis zum Porsche 944 S2 in diesen Kostenblöcken ist beinahe zu vernachlässigen. Regelmäßige Ölwechsel sind allerdings mittlerweile ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit 13 Litern Ölmenge braucht der Carrera 3.2 beispielsweise doppelt so viel Schmierstoff, wie ein 944 S2.
Dafür entfällt beim luftgekühlten 911 logischerweise der Wechsel der Kühlflüssigkeit. Allerdings muss beim Carrera 3.2 auch die Ventilspielkontrolle alle 20.000 Kilometer einkalkuliert werden. Am Ende liegt der 911 bei den planbaren Wartungskosten aber gar nicht so weit über dem Transaxle, wie man es als Laie im ersten Moment erwarten würde.
Ungeplante Reparaturen können die Rechnung schnell vermiesen
Doch bei all der Freude über verhältnismäßig niedrige laufende Kosten darf ein zentraler Punkt nicht vergessen werden: Ungeplante Reparaturen können am luftgekühlten 911 empfindlich teuer werden. Allein die Kosten für den Austausch einer Auspuffanlage mit Wärmetauschern erreichen schnell den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens. Undichtigkeiten am Motor bedeuten auch schnell teures Ungemach – Stichwort: Stehbolzen. Reißt einer, muss der Motor geöffnet werden. Dabei finden sich meist viele weitere Teile, die verschleißbedingt getauscht werden müssen.
Porsche 911 Carrera 3.2 – Laufende Kosten
Kostenblock
Kosten über 5 Jahre
Wartung
6.000–8.500 €
Reifen
800–1.100 €
Bremsen
700–1.700 €
Steuer
ca. 960 €
Versicherung
2.500–4.500 €
Kraftstoff
ca. 5.500 €
Reparaturpuffer
3.500–5.000 €
Summe
19.960–27.260 €
Kosten pro Jahr
ca. 4.000–5.450 €
Kosten pro Kilometer
ca. 0,80–1,09 €/km
Beispielrechnung für ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug inkl. einem Satz Reifen sowie einem Satz Bremsscheiben und -beläge.
Deshalb gilt beim klassischen 911 umso mehr, dass das bessere Auto auf lange Sicht das günstigere wird. Wer beispielsweise einen top gewarteten Carrera 3.2 mit überholtem Motor und wirklich rostfreier Karosse findet, kann daran lange Zeit für vertretbare laufende Kosten seine Freude haben. Zwar reden wir dann schon über mindestens hohe fünfstellige Kaufpreise, doch Robustheit und Wertstabilität machen aus dem 3.2 eine hervorragende Wahl, wenn der Zustand passt.
Bei einem technisch nicht überholten 911 Carrera 3.2 sollte ein deutlich höherer Puffer für Reparaturen eingeplant werden als in unserem Beispiel! Bereits der Austausch der Abgasanlage kostet mittlere vierstellige Beträge.
Porsche 987.2 Boxster/Cayman – Die vielleicht günstigste Möglichkeit, einen modernen Porsche zu fahren?
Technische Ausgereiftheit hat ihren Preis: Moderne Porsche sind komplexer, ihre Ersatzteile teurer als früher und folgerichtig auch die Versicherungsprämien höher. Dafür bieten sie allerdings nicht nur mehr Komfort und Performance, sondern auch günstigere Verbrauchswerte. Jede Medaille hat zwei Seiten.
Porsche Boxster und Cayman der Generation 987 ab Modelljahr 2009 vereinen die Vorzüge moderner Technik und Performance mit überschaubaren Unterhaltskosten. Außerdem liegen die Einstiegspreise deutlich unter 50.000 Euro. Teilweise werden gut gewartete Fahrzeuge für 30.000 Euro oder darunter angeboten. Das macht ihn mindestens 10.000 Euro günstiger als seinen Nachfolger 981. Gleichzeitig sind die laufenden Kosten nicht höher als bei einem relativ aktuellen VW Golf GTI.
Besonders als Basis-Boxster oder Cayman mit dem 2,9-Liter-Motor kombiniert der 987.2 genannte Mittelmotorsportler sportliche Fahrleistungen zum fairen Preis. Die sehr günstigen Reifenformate in 17 oder 18 Zoll ermöglichen selbst neue Michelin Pilot Sport mit N-Kennung für Preise um 1.000 Euro inklusive Montage. Die Versicherungsbeiträge liegen ebenfalls verhältnismäßig niedrig. Das Gleiche gilt für die Verbrauchswerte der als sehr zuverlässig geltenden Direkteinspritzer-Motoren (DFI). Wer es darauf anlegt, kann sogar mit deutlich unter 9L/100km auskommen.
Relativ geringe Risiken machen den 987.2 besonders attraktiv
Diese neu eingeführte Motorengeneration ist auch einer der Hauptgründe, weshalb Cayman- und Boxster-Fahrer nach dem Facelift zum Modelljahr 2009 etwas ruhiger schlafen konnten. Sie haben konstruktiv weniger Schwächen als die Vorgänger der Generation M96/97. Außerdem wurden sie noch ohne das fehleranfällige PADM-System (Porsche Active Drivetrain Mount) zur aktiven Motor- und Getriebelagerung geliefert. Deshalb bleiben die Kosten bei dieser Generation gut kalkulierbar und – für einen Porsche – sogar erstaunlich niedrig.
Kostenblock
Kosten über 5 Jahre
Wartung
4.500–6.500 €
Reifen
900–1.300 €
Bremsen
800–1.800 €
Steuer
1.300-1.500 €
Versicherung
3.000–5.000 €
Kraftstoff
ca. 5.000 €
Reparaturpuffer
2.500–4.500 €
Summe
18.000-25.600 €
Kosten pro Jahr
ca. 3.600-5.100 €
Kosten pro Kilometer
ca. 0,72-1,02 €/km
Beispielrechnung für ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug inkl. einem Satz Reifen sowie einem Satz Bremsscheiben und -beläge.
Alles steht und fällt mit der Wahl des richtigen Autos
Unser Vergleich deckt natürlich nur ein ganz spezielles Szenario ab. Doch er zeigt, was prinzipiell bei jedem Porsche-Kauf gilt: Ein billiges Auto kann schnell teuer werden, während ein gutes Auto seinen Aufpreis über die Jahre in der Werkstatt wieder einspart. Sie zeigen außerdem, dass Porsche fahren nicht extrem teuer sein muss. Zumal Wertverlust – besonders bei Transaxle und Boxster/Cayman – eine eher untergeordnete Rolle spielt.
Wie viel kostet ein Porsche Boxster im Unterhalt?
Je nach Baureihe und Modell variieren die laufenden Kosten beim Porsche Boxster. Für Versicherung, Wartung, Steuer, Kraftstoff, Reifen, Bremsen und Reparaturen sollte man bei etwa 5.000 km Jahresfahrleistung mit etwa 0,72 bis 1,05 €/km über fünf Jahre rechnen.
Wie teuer ist ein Porsche 911 Oldtimer im Unterhalt?
Sofern es sich um ein top gewartetes Fahrzeug mit überholtem Motor und Getriebe handelt, kann ein luftgekühlter Porsche 911 verhältnismäßig geringe Unterhaltskosten verursachen. Zwischen 0,80 bis 1,10 €/km können zum Beispiel bei 5.000 Kilometern Fahrleistung im Jahr für einen 911 Carrera 3.2 als realistische Schätzung gesehen werden.
Ist ein Porsche 944 teuer im Unterhalt?
Die Unterhaltskosten für einen Porsche 944 liegen auf einem ähnlichen Niveau, wie zum Beispiel bei einem VW Golf GTI. Durch seinen Klassikerstatus sind Versicherung und Steuer verhältnismäßig günstig. Reifen und Bremsen sind ebenfalls preiswert im Austausch. Teuer wird es hingegen, sofern Wartungsstau besteht. Besonders der Zahnriemenwechsel ist nicht günstig.
Der neuere Fahrzeug ist meist auch rationaler. Das ist auch bei Porsche nicht anders. Doch ein 911 Carrera 3.2 kann das wirtschaftlich bessere Auto als ein 991 Carrera sein, wenn die großen Rechnungen bereits bezahlt sind. Teuer wird es immer dort, wo Wartung verschleppt oder am falschen Ende gespart wurde.