Porsche Boxster Spyder – Der beste Deal im Porsche-Kosmos?
11.09.2026Von Richard Lindhorst
Wenn man einen Sportwagen auf seine wesentlichen Zutaten reduziert, landet man schnell bei einem leichten, gut ausbalancierten Fahrzeug mit Mittelmotor, zwei Sitzen und idealerweise auch einem offenen Dach. Diesem Ideal kommt der Porsche Boxster Spyder ausgesprochen nah. Seit 2010 gibt es ihn als eigenständiges Modell im Boxster-Lineup mit Notverdeck, besonders sportlicher Abstimmung und den charakteristischen Höckern hinter den Sitzen. Dass der Porsche Boxster Spyder sich fantastisch fährt, war nie ein Geheimnis. Aber könnte es sein, dass die besonders sportlichen Boxster-Modelle heute im Porsche-Kosmos das beste Gesamtpaket fürs Geld bieten? Wir sagen euch, welche Varianten es gab und welche ganz besonders gefragt sind!
Ausgangspunkt Porsche 550 Spyder
Mit dem Boxster griff Porsche Mitte der 90er Jahre auf eine Idee zurück, die bereits in den 1950er Jahren für zahlreiche Erfolge im Motorsport gesorgt hatte. Der 550 Kilogramm leichte Porsche 550 Spyder war ein offener Zweisitzer mit Mittelmotor. Dieses relativ einfache Rezept übertrug Porsche mit dem Boxster in die Moderne.
2003 tauchte der Ideengeber dann erstmals namentlich in einem Sondermodell auf. Doch der 1.953 mal gebaute Porsche Boxster S „50 Jahre 550 Spyder“ war allerdings kein Spyder im klassischen Sinn. Er war ein verfeinerter Boxster S mit exklusiven Ausstattungsdetails und Limitierung. Das gleiche Fazit trifft auch beim 1.960 mal gebauten Porsche 987 Boxster RS 60 Spyder zu. Er war zwar als Hommage an ein früheres Rennauto, den RS60 Spyder gedacht. Doch wie schon beim 986 handelte es sich nicht um ein komplett neues Modell, sondern eher um eine spezielle Ausstattungslinie.
Der Porsche 987 Boxster Spyder begründete die neue Modellreihe
Ende 2009 machte Porsche aus dem Spyder erstmals ein eigenständiges Boxster-Modell. Der 987 Boxster Spyder basierte zwar auf dem Boxster S, wurde technisch und konzeptionell aber deutlich weiterentwickelt. Im Mittelpunkt stand vor allem das Gewicht. Mit 1.275 Kilogramm war er rund 80 Kilogramm leichter als ein vergleichbarer Boxster S und damit zum Zeitpunkt seiner Vorstellung sogar das leichteste Modell im gesamten Porsche-Programm.
Besonders die Heckpartie des ersten eigenständigen Porsche Boxster Spyder scheint vom legendären Carrera GT inspiriert worden zu sein.
Möglich wurde das durch Verzicht. Das elektrische Stoffverdeck wich einem einfachen, von Hand montierten Notverdeck. Die Türen bestanden aus Aluminium und im Innenraum kamen leichte Sportschalensitze zum Einsatz. Klimaanlage und Audiosystem entfielen serienmäßig ebenfalls, waren aber kostenfreie Sonderausstattung. Dazu erhielt der Spyder ein um 20 Millimeter abgesenktes Sportfahrwerk, eine eigenständige Abstimmung und die beiden charakteristischen Höcker auf dem Heckdeckel, die an die 718 RS und RSK Spyder der 50er und 60er Jahre erinnern.
Auch beim Antrieb optimierten die Stuttgarter den ersten Boxster Spyder im Vergleich zum Boxster S. Das 3,4 Liter Aggregat leistete 320 statt 310 PS. Beim Getriebe hatte die Kundschaft die Wahl zwischen 6-Gang-Schaltgetriebe und 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Zum Preis von 63.404 Euro stand der Spyder damals in den Porsche Zentren und kostete damit gut 7.000 Euro Aufpreis zum Boxster S. Mit insgesamt 1.667 produzierten Exemplaren zwischen 2010 und 2011 blieb der Boxster Spyder allerdings eine eher seltene Erscheinung.
Im Porsche 981 Boxster Spyder kam der Antrieb des Cayman GT4 zum Einsatz
Auch in der dritten Boxster-Generation, der Baureihe 981, gab es wieder einen Spyder. 2015 stand der Porsche 981 Boxster Spyder – gewissermaßen ein Cayman GT4-Ableger mit Stoffverdeck – in den Porsche Zentren. Zwar musste das Dach nach wie vor von Hand bedient werden, erforderte allerdings deutlich weniger Geschicklichkeit als das Notverdeck im Vorgänger. Generell präsentierte sich der 981 Spyder als deutlich erwachseneres Modell, obwohl er mit 1.315 Kilogramm abermals der leichteste Boxster seiner Baureihe war.
Statt eines 3,4 Liter Motors, wie im Cayman S und GTS, erhielt der 981 Boxster Spyder eine leicht modifizierte Variante des 3,8 Liter Motors aus dem Cayman GT4 mit 375 PS. Der ausschließlich mit 6-Gang-Schaltgetriebe lieferbare Spyder stieß damit auch längsdynamisch in neue Sphären. 4,5 Sekunden vergingen für den Sprint auf 100 km/h, ehe erst bei 290 km/h der Vortrieb endete.
Diese Fahrleistungen machten den Boxster Spyder des Modelljahrgangs 2015 nicht nur zu einem sehr ernstzunehmenden Sportwagen. Sie hatten auch ihren Preis. Mit knapp 80.000 Euro Grundpreis lag er gut 10.000 Euro oberhalb des Boxster GTS und war damit fast 20.000 Euro teurer als ein Boxster S. Trotzdem erreichte der Porsche 981 Boxster Spyder mit 2.486 gebauten Exemplaren eine fast 50 Prozent höhere Stückzahl als der 987 Boxster Spyder.
718 Spyder und Spyder RS als Krönung der Boxster-Baureihe 982
Mit der Baureihe 982 änderte sich mehr als nur der Name. Der 2019 vorgestellte Porsche 718 Boxster Spyder teilte sich nun praktisch die komplette technische Basis mit dem Cayman GT4. Dazu gehörten der neu entwickelte, 420 PS starke 4,0-Liter Saugmotor sowie das von Porsches GT-Abteilung entwickelte Fahrwerk mit PASM, 30 Millimeter Tieferlegung und die mechanische Hinterachssperre. Von 0 auf 100 km/h vergingen 4,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 301 km/h. Später kam auch das 7-Gang PDK hinzu.
Preislich lag der 718 Spyder bei seiner Einführung mit 93.350 Euro deutlich über Boxster S und GTS. Gegenüber dem damaligen GTS mit Vierzylinder-Turbo betrug der Abstand rund 15.000 Euro. Der preisliche Unterschied zum 2020 eingeführten, 400 PS starken 718 Boxster GTS 4.0 lag bei gut 9.000 Euro.
Porsche selbst veröffentlichte keine genauen Stückzahlen zum 718 Spyder und Spyder RS. Umfangreiche Auswertungen der Community deuten auf etwa 8.000 gebaute 718 Spyder und gut 6.700 Spyder RS hin.
2023 setzte Porsche mit dem Spyder RS noch einen drauf. Sein 500 PS starker Motor stammte direkt aus dem 718 Cayman GT4 RS und drehte bis 9.000 Touren. Mit nur 1.410 Kilogramm war er trotz seines PDKs nochmals 10 Kilogramm leichter als ein handgeschalteter 718 Spyder. Er ist bis dato der extremste, je gebaute Boxster Spyder und auch der teuerste Boxster, den es je gab – auch wenn er nicht mehr Boxster hieß. Sein Basispreis lag mit knapp 156.000 Euro mehr als 60.000 Euro über dem 718 Spyder.
Porsche Boxster Spyder Marktcheck – Wie viel Sportwagen bekommt man heute fürs Geld?
Die Evolution vom 987 Spyder bis zum 718 Spyder RS ging also nicht nur mit drastisch gestiegener Leistungsfähigkeit einher. Auch die Neupreise stiegen erheblich. Gleichzeitig wurden die Autos immer weniger exklusiv. Aus 1.667 Exemplaren beim 987 wurden beim 718 Spyder vermutlich rund 8.000 Fahrzeuge. Umso erstaunlicher ist es, dass die Preise am Gebrauchtmarkt alle einer ähnlichen Tendenz folgen und teilweise sogar erstaunlich dicht beieinander liegen.
Modell
Neupreis bei Markteinführung
Laufleistung im Median
Medianpreis 2026
Stückzahl
987 Spyder
63.404 €
45.500 km
ca. 75.000 €
1.667
981 Spyder
79.945 €
22.000 km
ca. 103.000 €
2.486
718 Spyder
93.350 €
15.000 km
ca. 110.000 €
vermutlich etwa 8.000
718 Spyder RS
155.575 €
2.600 km
ca. 167.000 €
vermutlich etwa 6.700
Generell liegen die Angebotspreise aller Generationen des Porsche Boxster Spyder über ihrem ehemaligen Neupreis. Während das bei seltenen Porsches, die mehr als 15 Jahre alt sind, erfahrungsgemäß häufiger vorkommt, überraschen besonders die Preise von 981 und 718 Spyder. Offiziell waren beide Modelle nicht limitiert. Trotzdem hat praktisch keine Abschreibung stattgefunden. Stattdessen entwickelten sich die Gebrauchtpreise weitestgehend im Gleichschritt mit der Inflation. Heißt das, ein Porsche Boxster Spyder ist ein krisensicheres Investment?
Ähnliche Entwicklungen bei allen Baureihen mit Höchstständen 2023 und 2024
Seit 2021 entwickeln sich 987 Boxster Spyder, 981 Boxster Spyder und 718 Spyder relativ vergleichbar. 2023 und 2024 erreichten alle drei Modelle ihren preislichen Höchststand. Es folgte ein Korrektur auf das Preisniveau von 2021 und 2022. Auffällig ist dabei, dass der Abstand zwischen 981 und 718 Spyder nahezu konstant bleibt.
Die geringe Preisdifferenz lässt sich vermutlich auf mehrere Gründe zurückführen. Zum Einen wäre da das Design. Denn auch wenn sich 981 und 982 prinzipiell sehr ähneln, wirkt der 981 besonders von hinten gefälliger. Seine Rückleuchten haben eine integrierte Abrisskante, die sehr stimmig in den Heckspoiler übergeht.
Außerdem punktet der 981 Boxster Spyder mit noch ursprünglicherem Klang als der 718. Der 4,0 Liter Motor der Baureihe 982 ist nämlich serienmäßig mit einem Otto-Partikelfilter ausgerüstet. Deshalb klingt der 718 Spyder etwas dumpfer und weniger emotional als das 3,8 Liter Aggregat im Vorgänger. In Kombination mit den kleineren Stückzahlen macht ihn das mittlerweile zu einem gesuchten, angehenden Klassiker.
Beim Porsche 718 Spyder RS haben sich vermutlich einige Käufer verspekuliert
Einen Sonderfall bildet hingegen der Porsche 718 Spyder RS. Er wurde in einer Zeit veröffentlicht, in der Porsches GT-Modelle am Gebrauchtmarkt mehrheitlich über ihrem ursprünglichen Listenpreis gehandelt wurden. Die in der Szene als „Flipper“ bezeichneten Spekulanten, die diese Autos mit der Absicht gekauft haben, sie schnell teurer weiterzuverkaufen gingen auch beim 718 Spyder RS von einer solchen Entwicklung aus.
Anm.: Beim Porsche 718 Spyder RS gibt es die Besonderheit, dass die Preise sich je nach Spezifikation teils erheblich unterscheiden. Ein Auto mit Paint-to-Sample Farbe und Weissach Paket kostet schnell mehrere zehntausend Euro Aufpreis.
Während sich diese Prognose nach Marktstart 2023 anfangs zu bewahrheiten schien, drehte sich das Bild schon ein Jahr später. Seit 2024 sind die Preise für den Extremsportler mit offenem Dach drastisch gefallen. Selbst Fahrzeuge mit extrem niedrigen Kilometerständen finden sich für weniger als 150.000 Euro. Ob damit bereits die Talsohle erreicht ist, bleibt abzuwarten.
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Einerseits war das Angebot durchgehend hoch. Während 987 und 981 Boxster Spyder schon wegen der niedrigen Stückzahlen selten am Markt auftauchen, haben potenzielle Käufer beim 718 Spyder RS gewissermaßen freie Auswahl. Auch deshalb dauert der Verkauf eines 718 Spyder RS tendenziell länger als bei einem 981 Boxster Spyder. 2025 mussten Verkäufer über drei Wochen mehr Geduld mitbringen, 2026 sind es noch immer neun Tage Differenz (981: 46 Tage, 718 Spyder RS: 68 bzw. 55 Tage).
Der 987 Boxster Spyder könnte einer der letzten Geheimtipps sein
Eine besonders interessante Position hat der Porsche 987 Boxster Spyder inne. Mit 1.667 gebauten Exemplaren ist er seltener als seine Nachfolger. Gleichzeitig bleibt er mit einem Medianpreis von etwa 75.000 Euro der mit Abstand günstigste Einstieg in die Welt der puristischsten Boxster-Modelle. Selbst zum direkten Nachfolger er Baureihe 981 beträgt der Abstand fast 30.000 Euro.
Dafür muss man im 987 natürlich Zugeständnisse machen. Längsdynamisch kann er mit den späteren Spyder-Generationen nicht mithalten, das Notverdeck verlangt etwas Hingabe und naturgemäß haben die meisten Fahrzeuge etwas höhere Laufleistungen. Doch mit 1.275 Kilogramm ist der 987 Boxster Spyder der leichteste seiner Art. Damit verkörpert er die ursprüngliche Idee hinter dem Modell sogar konsequenter als seine deutlich potenteren Nachfolger.
Innen sind alle Generationen des Porsche Boxster Spyder zeitlos und von hoher Wertigkeit.
Für rund 75.000 Euro bekommt man mit dem Porsche 987 Boxster Spyder einen handgeschalteten Mittelmotor-Porsche mit Saugmotor, eigenständigem Design und einer Stückzahl von deutlich unter 2.000 Exemplaren. Wer maximale Performance sucht, findet im 718 Spyder zweifelsfrei das bessere Auto. Doch wer einen besonders puristischen Sportwagen sucht, der bekommt beim 987 derzeit besonders viel fürs Geld.
Was den Porsche Boxster Spyder heute so interessant macht
Natürlich sind Fragen nach dem „besten Deal“ im Porsche-Kosmos objektiv nicht zu beantworten. Doch sie bilden die Grundlage für spannende Analysen und Diskussionen, wie auch im Fall der Boxster Spyder Modelle. Denn es lässt sich nicht leugnen, dass gerade diese Modelle in ihren jeweiligen Preisregionen enorm viel puristischen Fahrspaß bieten. Und ist es nicht genau das, was Enthusiasten sich wünschen? Genau die Sorte Fahrspaß, den viele moderne Sportwagen vermissen lassen? Selbst innerhalb der Porsche-Modellpalette sind diese Eigenschaften selten geworden.
Gerade im Bereich zwischen 75.000 bis 110.000 Euro wird das besonders deutlich. 987 und 981 bieten ein extrem aufs Wesentliche reduziertes Fahrvergnügen bei gleichzeitig niedrigen Stückzahlen. Der 718 Spyder liegt fahrdynamisch nochmals eine Stufe höher. In dieser Preisregion einen Porsche zu finden, der ähnlich konsequent auf das sportliche Fahren in seiner reinsten Form ausgelegt ist, fällt schwer. Der Spyder RS spielt preislich nochmals in einer anderen Liga, aber er gilt gewissermaßen als Beleg dafür, wie weit Porsche das Grundkonzept des offenen Mittelmotor-Sportwagens treiben konnte.
Die mitunter volatilen Preise der jüngeren Vergangenheit bedeuten, dass kein Boxster Spyder ein krisensicheres Investment ist. Aber das muss er auch gar nicht sein. Denn der Porsche Boxster Spyder war von vornherein für Enthusiasten konzipiert, denen leichtfüßiges Fahrgefühl mehr bedeutet als Bestwerte im Autoquartett. Und letztlich ist es egal, ob 987, 981 oder 982, der Boxster Spyder bietet besonders viel von der vermutlich schönsten, nur eben nicht messbaren Rendite: Fahrspaß!